Tàrraco

( Tarraco )

Tarraco ist der antike Name der heutigen Stadt Tarragona in der spanischen Region Katalonien. In der römischen Kaiserzeit war sie eines der bedeutendsten Zentren der Iberischen Halbinsel und Hauptstadt einer der größten römischen Provinzen, der nach ihr benannten Hispania Tarraconensis. Ihre vollständige Bezeichnung lautete seit augusteischer Zeit Colonia Iulia Urbs Triumphalis Tarraco.

Seine Blütezeit erlebte Tarraco im 1. und 2. Jahrhundert: Archäologische Untersuchungen lassen in den oberen Stadtbezirken ein monumentales Bauprogramm greifbar werden, mit dem die Stadt zu dieser Zeit ihren Macht- und Repräsentationsanspruch unterstrich. Durch einen reichen Bestand an erhaltenen Steindenkmälern können heute viele Facetten der antiken Metropole rekonstruiert werden. Aufgrund ihrer besonderen historischen Bedeutung wurden die Monumente der Römerstadt im Jahr 2000 als Archäologisches Ensemble von Tarraco zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Tarraco ist der antike Name der heutigen Stadt Tarragona in der spanischen Region Katalonien. In der römischen Kaiserzeit war sie eines der bedeutendsten Zentren der Iberischen Halbinsel und Hauptstadt einer der größten römischen Provinzen, der nach ihr benannten Hispania Tarraconensis. Ihre vollständige Bezeichnung lautete seit augusteischer Zeit Colonia Iulia Urbs Triumphalis Tarraco.

Seine Blütezeit erlebte Tarraco im 1. und 2. Jahrhundert: Archäologische Untersuchungen lassen in den oberen Stadtbezirken ein monumentales Bauprogramm greifbar werden, mit dem die Stadt zu dieser Zeit ihren Macht- und Repräsentationsanspruch unterstrich. Durch einen reichen Bestand an erhaltenen Steindenkmälern können heute viele Facetten der antiken Metropole rekonstruiert werden. Aufgrund ihrer besonderen historischen Bedeutung wurden die Monumente der Römerstadt im Jahr 2000 als Archäologisches Ensemble von Tarraco zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Vorgeschichte und Zweiter Punischer Krieg

Das Stadtgebiet wurde in vorrömischer Zeit von Iberern besiedelt, die mit den an der Küste siedelnden Griechen und Phöniziern Handelskontakte besaßen. Iberische Siedlungen lagen besonders im nahe gelegenen Ebrotal; im Stadtgebiet von Tarragona gibt es Siedlungsfunde seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. Besonders in der carrer de Caputxins nahe dem römischen Theater fand man Siedlungsreste sowie Bruchstücke attischer Keramik. In dem tiefer und näher zum Mittelmeer gelegenen Stadtteil befand sich zwar kein schützender Hafen, jedoch bildete die Mündung des Flusses Francolí (Tulcis) eine kleine Bucht. Wahrscheinlich bestand in der Nähe dazu eine kleinere Siedlung.

Quellen zur Stammeszugehörigkeit der hier siedelnden Iberer widersprechen sich stark: Titus Livius erwähnt ein oppidum parvum („kleine Siedlung“) namens Cissis, Polybios nennt eine Polis namens Kissa (Κίσσα).[1] Bald nach der Landung des Gnaeus Cornelius Scipio Calvus in Empúries (Emporion) 218 v. Chr. im Zweiten Punischen Krieg wird Tarraco erstmals erwähnt. Livius schreibt, dass die Römer in der Nähe von Cissis ein punisches Nachschublager für die Truppen Hannibals eroberten und die Stadt plünderten (Schlacht von Cissa). Kurze Zeit später wurden die Römer „nicht weit von Tarraco“ (haud procul Tarracone) geschlagen.[2]

Es bleibt dabei unklar, ob Cissis und Tarraco identisch sind. Verschärft wird dies noch durch eine in Empúries gefundene Münze, welche die iberische Aufschrift Tarakon-salir trägt (salir bedeutet wahrscheinlich „Silber“). Diese Münze, nach emporianischen Vorbildern an einem unbekannten Ort geprägt, wird allgemein auf die Zeit um 250 v. Chr. datiert, in jedem Fall vor der Ankunft der Römer. Der Name Kesse erscheint auf einer Reihe von Münzen iberischer Herkunft aus dem 1. und 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Diese wurden nach römischen Gewichtsnormen geprägt. Sie kamen hauptsächlich in Tarraco ans Tageslicht, was die Vermutung nahelegt, dass sie auch dort geprägt wurden. Kesse ist wohl mit Cissis gleichzusetzen, wohl der Hauptort der von Plinius dem Älteren erwähnten Cissetani.[3] Für eine früher von Adolf Schulten vermutete Herkunft des Namens aus dem Etruskischen[4] gibt es keine Belege.[5]

 
Die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer dauerte über 200 Jahre
 
Lage der römischen Provinz Tarraconensis
 
Die spanischen Provinzen nach der augusteischen Reform
 
Modell der oberen Stadtbezirke in der hohen Kaiserzeit
Modell 
Modell der hohen Kaiserzeit, Blick von Süden
 
Die Iberische Halbinsel in der Spätantike
 
Das Inschriftenmaterial weist häufig die Anwesenheit von militärischem Personal nach (hier ein frumentarius der Legio VII Gemina aus León)[6]

Im Jahr 217 v. Chr. ging die römische Verstärkung unter Publius Cornelius Scipio in Tarraco an Land. Tarraco war Winterquartier in den Jahren 211 und 210, in dem Publius Cornelius Scipio Africanus dort die Stämme Spaniens zum conventus versammelte.[7] Die Bevölkerung verhielt sich während des Krieges weitgehend loyal zu den Römern. Livius nennt sie „Verbündete und Freunde des römischen Volkes“ (socii et amici populi Romani), die Fischer von Tarraco (piscatores Tarraconenses) waren mit ihren Booten bei der Belagerung von Carthago Nova behilflich.[8]

Die enge Verknüpfung der frühesten römischen Geschichte Tarragonas zum Geschlecht der Scipionen hat bereits Plinius zum Ausdruck gebracht, als er feststellte, Tarraco sei ein Werk der Scipionen (Tarraco Scipionum opus) wie Karthago eines der Punier.[3]

Tarraco in der Zeit der römischen Republik

In den folgenden beiden Jahrhunderten scheint Tarraco in den Kriegen gegen die Keltiberer die Rolle als Nachschubbasis und Winterlager, die es während des Zweiten Punischen Krieges innehatte, weitestgehend beibehalten zu haben. Deshalb wird allgemein von einer militärischen Präsenz in dieser Zeit ausgegangen, ohne dass ein Truppenlager lokalisiert wäre. Es befand sich möglicherweise im höher gelegenen Bereich der Altstadt, worauf Teile der erhaltenen Stadtmauer Hinweise geben. 197 v. Chr. wurden die eroberten Gebiete, noch schmale Streifen an der Küste Spaniens, in die beiden neuen Provinzen Hispania citerior und Hispania ulterior geteilt. Obwohl Strabon berichtet, dass die Statthalter sowohl in Carthago nova als auch in Tarraco residierten,[9] gibt es zahlreiche Indizien, dass in der republikanischen Zeit Tarraco vorwiegend als Statthaltersitz genutzt wurde.[10]

Nicht völlig geklärt ist der rechtliche Status Tarracos; möglicherweise war Tarraco während der Republik als conventus civium Romanorum (Zusammenkunft römischer Bürger der Provinz) mit zwei magistri (zivile „Vorsteher“) an der Spitze organisiert.[11] Gaius Porcius Cato, Konsul des Jahres 114 v. Chr., wählte im Jahr 108 Tarraco als Ort seiner Verbannung. Da eine Verbannung offiziell ein Verlassen des römischen Staates bedeutete, würde das heißen, dass Tarraco zu diesem Zeitpunkt eine freie oder höchstens eine verbündete Stadt war.

Nach der Beendigung des Sertoriusaufstandes setzten die Tarraconenser eine Ehreninschrift für Gnaeus Pompeius Magnus. Nach Strabon[12] hatte eines der letzten Gefechte unweit von Tarraco stattgefunden. Als Caesar 49 v. Chr. bei Ilerda (Lleida) die Anhänger des Pompeius besiegte, schickten die Tarraconenser eine Huldigungsgesandtschaft und unterstützten sein Heer mit Lebensmitteln.[13] Die Pompeiusinschrift musste nun umgewidmet werden. Kurzerhand wurde der Stein gewendet und auf der neuen Vorderseite eine Inschrift an einen Gefolgsmann Caesars namens Publius Mucius Scaevola angebracht.[14] Nicht überliefert ist, zu welchem Zeitpunkt Tarraco zur römischen Bürgerkolonie erklärt wurde. Einerseits galt Caesars Sieg über die Pompeianer 45 v. Chr. bei Munda als auslösendes Moment, andererseits könnte aber auch sein Adoptivsohn und Nachfolger Augustus Tarraco mit diesem Status ausgezeichnet haben. In der aktuellen Forschung wird vorsichtig für die Zeit um 36 v. Chr. plädiert. Caesar habe nach seinem Sieg bei Munda der Stadt Status und Titel als beneficium (Wohltat, Verdienst, Auszeichnung) verliehen.[15]

Augusteische Zeit

Im Jahr 27 v. Chr. begab sich Kaiser Augustus nach Spanien, um die Feldzüge in Kantabrien zu beaufsichtigen. Wegen seiner schwachen Gesundheit zog er es jedoch vor, in Tarraco zu bleiben, hier trat er sein 8. und 9. Konsulat an.[16] Wahrscheinlich während seiner Anwesenheit wurde ihm in Tarraco ein Altar geweiht. Auf ihn bezieht sich eine Anekdote des Rhetorikers Quintilian: „Die Bewohner von Tarraco berichteten Augustus, dass eine Palme auf dem Altar gewachsen war, der ihm geweiht war. ‚Es scheint‘, antwortete er, ‚dass er nicht oft benutzt wird.‘“[17] Des Weiteren ließ er später die alte via Herculea zur Via Augusta ausbauen. Ein Meilenstein, gefunden auf der Plaza del Toros, erwähnt die Straße zwischen 12 und 6 v. Chr.[18] Sie führte im Nordosten über Barcino nach Tropaeum Pompei und im Südwesten über Dertosa in Richtung Saguntum und Valentia.

Wohl während der Anwesenheit des Augustus wurden die spanischen Provinzen neu geordnet. Hispania ulterior wurde aufgeteilt in die beiden neuen Provinzen Baetica und Lusitania. Tarraco wurde spätestens unter Augustus zur festen Hauptstadt der Hispania citerior, für die sich in der Kaiserzeit im Sprachgebrauch der Name Hispania Tarraconensis durchsetzte.[19]

Die Stadt erlebte unter Augustus eine Blütezeit. Der Schriftsteller Pomponius Mela beschreibt sie im 1. Jahrhundert folgendermaßen: „Tarraco ist die reichste Hafenstadt an dieser Küste“ (Tarraco urbs est in his oris maritimarum opulentissima).[20] Tarraco prägte unter Augustus und Tiberius eigene Münzen mit Darstellungen des Kaiserkultes und der Aufschrift CVT, CVTT oder CVTTAR.[21]

Nach seinem Tod im Jahre 14 n. Chr. wurde Augustus förmlich zum Gott erklärt. 15 n. Chr. wurde ihm wahrscheinlich im östlichen Stadtteil oder in der Nähe des Kolonieforums ein Tempel geweiht. Dieses Ereignis wird in den annales von Tacitus erwähnt.[22]

Die Stadt in der hohen Kaiserzeit

Im Jahr 68 n. Chr. wurde Galba in Carthago Nova zum Kaiser ausgerufen. Er hatte acht Jahre in Tarraco residiert. Nach dem Vierkaiserjahr 69 begann Vespasian eine Neuordnung der zerrütteten Staatsfinanzen. Nach Plinius[23] war eines der Mittel dazu, ganz Spanien das latinische Bürgerrecht zu gewähren. Dadurch wurden die spanischen Territorien, die von alters her in städtische Gebiete und Territorien mit einer Stammesorganisation aufgeteilt waren, umgewandelt in Gebiete, die um die städtischen Zentren herum organisiert waren, also Kolonien oder Munizipien. Dies erleichterte die Erhebung von Zöllen und Steuern. Städtische Eliten begannen zunehmend, sich durch Unterstützung von Bauprogrammen und Errichtung von Ehrenmalen zu repräsentieren. Die rege Bautätigkeit, bedingt durch die Neuorganisation der Provinz, lässt sich in Tarraco im 2. Jahrhundert gut fassen. In dieser Zeit wurde aller Wahrscheinlichkeit nach das Amphitheater errichtet sowie der Tempelbezirk und das Provinzialforum im oberen Stadtteil. Etwa zwischen 70 und 180 n. Chr. wurden dort die meisten Statuen aufgestellt.

Unter Kaiser Trajan ist als Patron der Stadt der Senator Lucius Licinius Sura belegt. Er wird auf der Inschrift des Arc de Berà genannt,[24] die zwar sekundär dort verbaut, jedoch aus der näheren Umgebung stammen dürfte. Sura stammte selbst aus der Tarraconensis und erreichte höchste Staatsämter. Wohl im Winter 122/123 n. Chr. besuchte Hadrian die Stadt und hielt hier einen Landtag (conventus) für ganz Spanien ab. Auch ließ er den Augustustempel erneuern.

Mit dem Ende des zweiten Jahrhunderts setzten in Tarraco offensichtlich wirtschaftliche Schwierigkeiten ein. Es wurden nur noch wenige Ehrenstatuen in der Stadt errichtet, wahrscheinlich, weil deren Finanzierung zu teuer geworden war.[25] Anscheinend wurden seit der Severerzeit auch verstärkt Postamente beispielsweise als Grabsteine wiederverwendet. In diese Zeit fällt die Niederlage des Gegenkaisers Clodius Albinus; unter seinen Anhängern war auch der Statthalter der Tarraconensis Lucius Novius Rufus. Das folgende Strafgericht des Septimius Severus traf damit auch die führenden Männer der Provinz und der Stadt. Fast gleichzeitig verschwinden die Inschriften, die dem concilium provinciae gewidmet sind. Dafür erscheinen ab jetzt verstärkt Inschriften, die dem Statthalter von Seiten seines militärischen Personals gewidmet wurden. Von nun an waren es weniger die einflussreichen Kaufleute, die im ordo decurionum saßen, als vielmehr die patroni der Spätantike, große Gutsbesitzer und hohe Beamte. Severus ließ den Augustustempel erneuern, Elagabal das Amphitheater, wie ein Inschriftenfund beweist.[26]

Im Jahr 259 wurden im Amphitheater von Tarraco während der valerianischen Christenverfolgung der Bischof Fructuosus und seine beiden Diakone Augurius und Eulogius hingerichtet. Mit dem von Prudentius bezeugten Martyrium beginnen die Nachrichten über eine christliche Gemeinde in Tarraco. Archäologische Nachrichten sind erst am Ende des 3. Jahrhunderts durch Bestattungen im Bereich der Nekropole am Ostufer des Tulcis fassbar.[27] Christliche Bauten sind in Tarraco literarisch erst am Anfang des 5. Jahrhunderts überliefert.[28]

Spätantike

Mit einem Frankeneinfall um das Jahr 260 n. Chr. ist in der Geschichte Tarracos ein Einschnitt fassbar, der einen frühzeitigen Übergang der Stadt zu spätantiken Strukturen zur Folge hatte. Neben schriftlichen Quellen[29] gibt es wenige archäologische Zeugnisse wie die Zerstörung der Villa rustica von Altafulla, östlich von Tarraco an der via Augusta. Dabei wurde ein Münzschatz verborgen, der zwischen die Jahre 259 und 262 n. Chr. datiert wird. Mit Ausnahme des kleinen Hafengebiets begann eine Verödung der städtischen Wohnquartiere in den tiefer gelegenen Stadtteilen. Das Forum der Kolonie wurde im 4. Jahrhundert aufgegeben. Die Entwicklung fand ihren Abschluss im 4. und 5. Jahrhundert, als der obere Stadtteil und das Provinzialforum mit staatlichen und kirchlichen Repräsentationsbauten sowie zivilen Wohnquartieren überbaut wurde. In den ehemaligen Aufgängen zu den oberen Stadtbezirken wurden Siedlungsabfälle abgelagert, die belegen, dass die städtische Bevölkerung weiterhin Waren über den Fernhandel importierte, besonders aus Nordafrika.[30] Im epigraphischen Material Tarracos ist in dieser Zeit ein Einschnitt zu erkennen.[31] Selbst für Postamente von Kaiserstatuen wurden in der folgenden Zeit frühere Denkmäler wiederverwendet. Es treten zudem häufiger Inschriften auf, die auf Wiederherstellung von Gebäuden hinweisen.[32]

Durch die Reformen der Reichsverwaltung unter Diokletian wurde die ganze Iberische Halbinsel in einer Diözese zusammengefasst, die in sechs Provinzen unterteilt war. Tarraco blieb Provinzhauptstadt, wenn auch nur noch einer wesentlich reduzierten Provinz. Die möglicherweise bei dem Frankeneinfall zerstörten Gebäude wurden erst allmählich wieder aufgebaut oder durch neue ersetzt. Diokletian und Maximian ließen zwischen 286 und 293 eine porticus Iovae („Jupiter-Portikus“, möglicherweise Teil einer Basilika[33]) errichten.

Seit der Mitte des 3. Jahrhunderts war die Stadt Bischofssitz und blieb es später unter westgotischer Herrschaft. Die Namen vieler späterer Bischöfe sind aus Konzilsakten bekannt. Mit dem Beginn des 5. Jahrhunderts war Tarraco im Zuge der Völkerwanderung nach dem Rheinübergang von 406 von einem Einfall der Alanen, Vandalen und Sueben betroffen; welchen Schaden er der Stadt zufügte, ist unklar. In den Jahren 468/472 wurde in Tarraco den Kaisern Leo und Anthemius die späteste Kaiserinschrift gesetzt.[34]

Im Jahre 476, nach dem Fall Roms und dem Untergang des weströmischen Reiches, wurde Tarraco von den Westgoten unter ihrem König Eurich eher besetzt als erobert. Anscheinend ging die Einnahme der Stadt ohne größere Einschnitte für deren Bürger vonstatten; Anhaltspunkte für Zerstörungen gibt es jedenfalls nicht und es ergab sich keine Änderung im Namenmaterial. Die Westgoten übernahmen die städtischen Strukturen und stellten eine dünne Oberschicht.[35] Die Funde des christlichen Friedhofes bestätigen diese epigraphische Beobachtung, da es sich fast ausschließlich um Gräber von Romanen handelt. Die westgotischen Könige ließen in Tarragona ihre goldenen Trienten bis 713 prägen. Durch die Entscheidung der Westgoten, Toledo zu ihrer Hauptstadt zu machen und die Abgaben nach Barcino zu entrichten, verlor die Stadt in politischer und fiskalischer Hinsicht an Bedeutung, blieb aber als Sitz eines Metropoliten ein bedeutendes kirchliches Zentrum.[36] Das Ende der aus der Antike überkommenen Verhältnisse kam mit der Ankunft der Mauren; um 716 eroberte al-Hurr die Stadt.[37] Nach Angaben des arabischen Chronisten Ahmad ibn Muhammad ibn Musa ar-Razi („Rasis“, 889–955) wurde die Stadt zerstört. Die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen, denn arabische Geographen berichteten später von erhaltenen römischen Bauten.[38]

Quellen

Durch die mittelalterliche und neuzeitliche Überbauung Tarracos sind die meisten Beobachtungen archäologischer Art bruchstückhafte Ausschnitte und Nischen, in denen sich die antike Substanz erhalten konnte. Großflächige Untersuchungen sind nahezu unmöglich. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Außenstelle Madrid des Deutschen Archäologischen Instituts bei zahlreichen Forschungsvorhaben in Tarragona engagiert. Neuere Forschungen betreibt vor allen Dingen die örtliche Taller Escola d' Arqueologia.

Neben überdurchschnittlich vielen Erwähnungen bei antiken Schriftstellern aufgrund seiner Bedeutung als Provinzhauptstadt ist Tarracos Geschichte wie die keiner anderen der iberischen Städte durch Inschriften über einen Zeitraum von 800 Jahren dokumentiert. Fast 1500 gefundene Exemplare[39] bieten eine unschätzbar wertvolle Quelle für die Verwaltungs-, Militär-, Wirtschafts-, Sozial-, Bevölkerungs-, Kultur- und Religionsgeschichte, nicht nur für die Stadt Tarraco, sondern für die ganze Provinz und die Iberische Halbinsel unter dem Imperium Romanum. Im Jahr 1966 gab José M. Recasens den ersten Band La ciutat de Tarragona heraus. 1978 folgte Géza Alföldy mit einem ausführlichen Artikel in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Beide Darstellungen sind mit ihrer dem damaligen Forschungsstand entsprechenden Auswertung des archäologischen, epigraphischen und numismatischen Materials bis heute grundlegende Darstellungen zur Geschichte Tarracos. Alföldy publizierte auch den Bestand an römischen Inschriften und erarbeitete eine Untersuchung zur geschlossenen Gruppe der Weihungen der Provinzialpriester.[40]

Strabon berichtet über Tarraco, dass es die bevölkerungsreichste Stadt der Hispania citerior war.[41] Von den 60 ha des bebauten und ummauerten Stadtgebietes dienten jedoch nur 30 bis 40 ha als Wohnsiedlung. Die Einwohnerzahl wird auf zwanzig- bis dreißigtausend geschätzt.[42] Namentlich bekannt sind durch die Inschriften etwa 1150 Einwohner, von denen etwa 1050 aus den ersten drei Jahrhunderten der Kaiserzeit stammten. Als tribus der Einwohner gilt die Galeria, wie bei vielen zur Kaiserzeit gegründeten Städten. In drei Inschriften werden Bürger mit dieser tribus ausdrücklich als Tarraconenses erwähnt,[43] weitere 20 in Tarragona gefundene Inschriftennennungen weisen ebenfalls diese tribus aus.

Livius 21, 60; Polybios 3, 76, 5. Livius 21, 60, 1ff. ↑ a b Plinius der Ältere, Naturalis historia 3, 21. Adolf Schulten: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IV A,2, Stuttgart 1932, Sp. 2398. Pere Bosch i Gimpera: Historia de España. II.3, Madrid 1962 S. 22; Géza Alföldy: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, Stuttgart 1978, Sp. 582 (mit weiterer Literatur). CIL 02, 6088 = RIT 00204. Livius 26, 19 u. 51. Livius 27, 42; Livius 26, 45. Strabon 3, 4, 7. Rudolf Haensch: Capita provinciarum. Statthaltersitze und Provinzialverwaltung in der römischen Kaiserzeit. von Zabern, Mainz 1997, S. 167f; Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Steiner, Stuttgart 2002, S. 30. Géza Alföldy: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, Stuttgart 1978, Sp. 590.; darauf würde auch die fragmentarisch erhaltene Inschrift CIL 02, 4309 (p 973) = RIT (G. Alföldy: Die Römischen Inschriften von Tarraco. Madrider Forschungen 10, Berlin 1975) 5 hinweisen, die sich in der Kathedrale vermauert fand. Strabon 3, 4, 9 (160). Caesar, De bello civili 1, 60. AE 1957, 309, AE 1957, 310 = RIT 1 und 2. Die Begründung dieser These liegt im Wesentlichen in einer veränderten Lesung einer Inschrift durch G. Alföldy, Wann wurde Tarraco römische Kolonie? In: G. Paci (Ed.), EPIGRAPHAI. Miscellanea epigraphica in onore di Lidio Gasperini I (Ichnia. Università degli Studi di Macerata, Collana del Dipartimento delle Scienze e Storiche dell'Antichità 5), Tivoli 2000, S. 3–22, hier: S. 20. Siehe dazu Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002, S. 30f., Fußnote 54. Sueton, Augustus 26, 3. Quintilian, Institutio oratoria 6, 3. CIL 02, 6240 = RIT 00934 = HEp-01, 599. Der offizielle Titel im Amtsgebrauch lautete weiterhin provincia Hispania citerior, so auf den meisten Inschriften der Amtsträger. In literarischen Quellen ist aber schon relativ früh in der römischen Kaiserzeit der Begriff Tarraconensis gebräuchlich (u. a. Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,6 oder Sueton, Galba 8). Siehe Rudolf Haensch: Capita provinciarum. Statthaltersitze und Provinzialverwaltung in der römischen Kaiserzeit. Mainz 1997, S. 166f. Pomponius Mela II 90. Burnett, Roman Provincial Coinage I. 218/219. Tacitus, Annalen 1, 78. Plinius der Ältere, Naturalis historia 3,4,30. AE 1994, 01086 = RIT 930. Géza Alföldy: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, Stuttgart 1978, Sp. 598. RIT 84. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002, S. 95. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002, S. 108. z. B. Aurelius Victor, de Caesaribus 33, 3 oder Eutropius 9,8,2, die beide von einer Eroberung der Stadt berichten. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Steiner, Stuttgart 2002, S. 107–121. G. Alföldy in RE Suppl XV Sp. 599. etwa CIL 02, 4112 = RIT 152 oder AE 1929, 00233 = RIT 91. G. Alföldy in RE Suppl XV Sp. 599; zur Inschrift siehe AE 1929, 00233 = RIT 91. CIL 02, 4109 = RIT 100. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Steiner, Stuttgart 2002, S. 119f.; Géza Alföldy: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, Stuttgart 1978, Sp. 639 f. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002, S. 120. In der Forschungsliteratur schwanken die Schätzungen des Zeitpunkts der Eroberung zwischen 713 und 716/719: Xavier Aquilué, Xavier Dupré, Jaume Massó, Joaquín Ruiz de Arbulo: Tarraco. Ein archäologischer Führer. Médol Tarragona, 1992 S. 37, G. Alföldy: Introducción histórica. In: Xavier Dupré Raventós (Hrsg.): Las capitales provinciales de Hispania. 3. Tarragona. Colonia Iulia Urbs Triumphalis Tarraco. „L’Erma“ di Bretschneider, Rom 2004, S. 14 (713/14); Ursula Vones-Liebenstein: Tarragona. In: Lexikon des Mittelalters Bd. 8, Sp. 480 (715); Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Steiner, Stuttgart 2002, S. 120f. (716); Dietrich Claude: Untersuchungen zum Untergang des Westgotenreichs (711–725). In: Historisches Jahrbuch. Bd. 108, 1988, S. 357 (spätestens 716/719). Die im Neuen Pauly (Ruth Stepper: Tarraco. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp. 36.) angegebene Jahreszahl von 724, die sich bereits in Géza Alföldy: Tarraco. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Supplementband XV, Stuttgart 1978, Sp. 639. findet, ist sicher falsch. Maria J. Viguera: Tarrakuna. In: The Encyclopaedia of Islam. Bd. 10, Leiden 2000, S. 303. Sabine Panzram: Stadtbild und Elite: Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002, S. 26: 1480 Stück bei häufigeren Neufunden. Géza Alföldy: Die Römischen Inschriften von Tarraco (RIT). Madrider Forschungen 10, Berlin 1975; Géza Alföldy: Flamines Provinciae Hispaniae Citerioris. Anejos del Archivo Español de Arqueología Bd. 6, Madrid 1973. Strabon 3, 4, 7 (159). G. Alföldy in RE Suppl XV Sp. 624f. mit abweichenden Zahlen der älteren Literatur. CIL 02, 4193 = RIT 255; CIL 02, 4212 = RIT 272 und CIL 06, 3349.
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