Chapelle Notre-Dame du Haut

( Notre-Dame-du-Haut (Ronchamp) )

Die Kapelle Notre Dame du Haut von Ronchamp (französisch Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp, deutsch Unsere Liebe Frau von der Höhe) ist eine der Jungfrau Maria geweihte katholische Wallfahrtskirche in der französischen Gemeinde Ronchamp bei Belfort.

Der 1950 bis 1955 nach Plänen des französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier errichtete Kirchenbau zählt zu den berühmtesten seiner Art in der Moderne. Er gilt aufgrund seiner zahlreichen visuellen Metaphern, des Reichtums seiner Raumgliederung sowie seines Vorbildcharakters als Ikone der Architektur. Seit 17. Juli 2016 ist er außerdem offiziell als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Die Kapelle wird häufig als ein weiteres Werk in der Reihe seiner Brutalismus - Bauten geführt, der sich in den 1950er Jahren in England entwickelte. Da es sich aber materialmäßig und konstruktiv um eine Mischkonstruktion handelt, und diWeiterlesen

Die Kapelle Notre Dame du Haut von Ronchamp (französisch Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp, deutsch Unsere Liebe Frau von der Höhe) ist eine der Jungfrau Maria geweihte katholische Wallfahrtskirche in der französischen Gemeinde Ronchamp bei Belfort.

Der 1950 bis 1955 nach Plänen des französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier errichtete Kirchenbau zählt zu den berühmtesten seiner Art in der Moderne. Er gilt aufgrund seiner zahlreichen visuellen Metaphern, des Reichtums seiner Raumgliederung sowie seines Vorbildcharakters als Ikone der Architektur. Seit 17. Juli 2016 ist er außerdem offiziell als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet. Die Kapelle wird häufig als ein weiteres Werk in der Reihe seiner Brutalismus - Bauten geführt, der sich in den 1950er Jahren in England entwickelte. Da es sich aber materialmäßig und konstruktiv um eine Mischkonstruktion handelt, und die Oberfläche aller Bauteile mit Betonspritzputz behandelt wurden, ist weder Sichtbeton („beton-brut“) noch Corbusiers sonst so typische „Schachtel mit belebtem Innenleben“ („boîte a miracles“) vorhanden. Mit der mystischen Lichtführung und stark auf die Liturgie gerichtet muss diese kombinierte Außen- und Innenkirche als ganz eigenständiges Werk betrachtet werden, weshalb ihm manche Kritiker „Verrat“ an seinen eigenen Prinzipien vorwarfen.

Kultstätte und Vorgängerbauten  Notre Dame du Haut, vor 1913

Der Hügel von Ronchamp diente möglicherweise bereits zur Zeit der Kelten als Kultstätte.[1] Urkundlich gesichert ist die Existenz einer Kirche seit Ende des 11. Jahrhunderts, als Wallfahrtsort bezeugt ist Ronchamp seit dem 15. Jahrhundert.[2] Das bis zur Französischen Revolution bestehende Gotteshaus gehörte zu einer Abtei in Besançon und war Mariä Geburt geweiht.

Nach einem Erlass König Ludwigs XV. wurde Mitte des 18. Jahrhunderts im Dorfkern von Ronchamp, das in nächster Nähe der protestantischen württembergischen Exklave Montbéliard lag, eine Kirche erbaut, die Notre Dame du Bas genannt wurde, im Unterschied zur Kapelle auf dem Hügel, der Notre Dame du Haut, die fortan nur noch als Wallfahrtskapelle genutzt wurde.[1]

Im Zuge der Französischen Revolution wurde 1789 die Kapelle an einen Händler aus Luxeuil verkauft, der darin Tiere und Futter aufbewahrte. Einige Jahre später schlossen sich 40 Familien aus Ronchamp zusammen, um die Kapelle zu kaufen und sie ihrer sakralen Bestimmung zurückzuführen. Seither ist die Kirche Privateigentum.[3]

 Notre Dame du Haut, erbaut 1923–1926

Im 19. Jahrhundert hatten die Wallfahrten einen neuen Aufschwung. Gefördert vom Erzbischof von Besançon, Kardinal Jacques-Marie-Adrien-Césaire Mathieu, wurde die Kapelle vergrößert und nach mehrjähriger Bauzeit 1857 ein oktogonales Vorwerk errichtet, das von vier bekrönten Türmen flankiert war. Auf einem der Türme ragte in der Mitte eine große Marienstatue auf, jedoch mussten weitere Arbeiten 1864 aus Geldmangel eingestellt werden.[4]

Am 8. September 1873 fand eine Wallfahrt zu der Kapelle statt, an der sich schätzungsweise 20.000–30.000 Pilger beteiligten. Es war eine der größten Manifestationen der Legitimisten, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und dem Sturz des zweiten Kaiserreichs versuchten, in Frankreich erneut die Monarchie einzuführen und den bourbonischen Thronanwärter Henri, Graf von Chambord als Henri V. zum König zu erheben.[4]

Nachdem die Wallfahrtskirche im August 1913 infolge eines Blitzschlags ausgebrannt war, wurde von 1923 bis 1926 ein Neubau im neugotischen Stil errichtet.

Im Zweiten Weltkrieg war der Hügel von Bourlémont ein wichtiger Beobachtungsposten und Riegel zur Burgundischen Pforte. Im September 1944 wurde die Kirche bei einem Artillerieangriff auf den hart umkämpften Hügel zerstört.[5] Deutsche Einheiten hatten den 35 Meter hohen Glockenturm der Kapelle in einen militärischen Beobachtungsposten umfunktioniert. Am 29. September 1944 stürmten zwei Züge mit senegalesischen Infanteristen den Hügel und überraschten die Deutschen, die noch am selben Tag kapitulierten. Die Schlacht forderte 250 Tote und 700 Verletzte.[6] Am 2. Oktober wurde auch die Gemeinde Ronchamp durch eine französische Panzerdivision zurückerobert. Zum Gedenken an die Kämpfe und „als Zeichen des Opfers und als Mahnmal für den Frieden“ wurden eine kleine Stufenpyramide und ein Friedensdenkmal auf dem östlichen Platz vor der Kirche errichtet.

Die heutige Kapelle

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Frankreich rund 2000 sakrale Bauwerke zerstört. Namhafte Geistliche wie Marie-Alain Couturier setzten sich dafür ein, für den Neuaufbau dieser Gebäude renommierte Künstler und Architekten zu gewinnen. Für den Wiederaufbau der Kapelle von Ronchamp wurde im September 1949 eine Immobiliengesellschaft gegründet.[7]

Die Commission d’Art Sacré von Besançon, der Maurice Jardot, Mitarbeiter des Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler, François Mathey, staatlicher Inspektor der Historischen Monumente und der Domherr Lucien Ledeur angehörten, nahm Kontakt zu Le Corbusier auf. Dieser lehnte es zunächst ab, für eine „tote Institution“ zu arbeiten. Dank der Vermittlung von Marie-Alain Couturier und der Beharrlichkeit von einigen Gläubigen nahm der Architekt den Auftrag aber doch an.

Einen ersten Entwurf zeichnete Corbusier nach einem Besuch vor Ort im Juni 1950; das erste Modell stellte er im Dezember 1951 vor. Corbusiers Recherchen und Gedanken zu diesem Projekt sind überliefert und dokumentieren, dass seine anfängliche Ablehnung in Begeisterung umschlug. Besonders die exponierte Lage der Kirche und dass „man sie so schön von weitem sah“ war für ihn wichtig.[8] Die Lage war jedoch auch eine Herausforderung für den Bau der neuen Kapelle, da bis dahin keine Straße auf den Hügel führte. Corbusier entschied bereits zu diesem Zeitpunkt, Beton als Baumaterial zu verwenden und sämtliche Arbeiten mit einer einzigen Mannschaft auszuführen.[9]

Die Bauarbeiten begannen am 9. September 1953 mit dem Abbruch der Ruine des Vorgängerbaus. Nach fünf Jahren Planung und zweijähriger Bauzeit wurde die Kapelle am 25. Juni 1955 ihrer Bestimmung übergeben.[10]

Anlässlich der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils fand am 14. Oktober 1962 eine große Wallfahrtsmesse an der Notre Dame du Haut statt. An dieser bedeutendsten Wallfahrt zu der Kapelle nahmen rund 250.000 Pilger teil.[11] 1974 war das aufgenommene Darlehen für den Bau zurückgezahlt.

Erweiterungsbauten

Die steigende Zahl von Besuchern veranlasste die Eigentümerin des Bauwerks, die Association Œuvre Notre Dame du Haut, die Planung von Erweiterungsbauten in Auftrag zu geben, und sie entschied sich, Renzo Piano mit der Aufgabe zu betrauen. Pianos Entwurf für ein Besucherzentrum und ein Klarissenkloster stieß bei der Fondation Le Corbusier auf Kritik, weil die geplanten Bauwerke der Kirche zu nahe kämen.[12] Die heftige Kontroverse führte zu zwei gegensätzlichen Petitionen für und gegen die von Piano geplanten Bauten ans französische Kulturministerium,[13] das die Erweiterungsbauten Anfang 2009 schließlich billigte.[14] Gebaut wurden ein Empfangsgebäude für die jährlich ca. 80.000 Besucher und ein Kloster mit zwölf Zellen, in dem sieben Ordensschwestern leben sollen. Im September 2011 wurden die Gebäude eingeweiht, die so in den Hügel eingegraben wurden, dass sie von der Kirche aus nicht zu sehen sind.[15]

↑ a b Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Notre-Dame du Haut. S. 13. Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Notre-Dame du Haut. S. 14. Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Die Wallfahrtskirche Notre-Dame du Haut von Le Corbusier. Geschichte – Architektur – Liturgie. S. 3, 4. ↑ a b Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Notre-Dame du Haut. S. 19. Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Notre-Dame du Haut. S. 22–23. Daniel de Roulet: Die bösen Tage von Vichy. In: Der Tagesspiegel, 15. August 2009. Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Die Wallfahrtskirche Notre-Dame du Haut von Le Corbusier. Geschichte – Architektur – Liturgie, S. 4. Daniele Pauly: Le Corbusier, Die Kapelle von Ronchamp. Le Corbusier, La Cappella di Ronchamp, S. 99. Daniele Pauly: Le Corbusier, Die Kapelle von Ronchamp. Le Corbusier, La Cappella di Ronchamp. S. 103. Bouvier, Cousin: Ronchamp. Eine Kapelle des Lichts. S. 81. Association de l’Œuvre Notre-Dame du Haut (Hrsg.): Ronchamp: Die Wallfahrtskirche Notre-Dame du Haut von Le Corbusier. Geschichte – Architektur – Liturgie. S. 9. Bollwerk gegen den Tourismus, Pianos Pläne für Ronchamp in der Diskussion. BauNetz, 21. Februar 2008; abgerufen am 26. Juni 2009 Online-Krieg um Ronchamp, Gegensätzliche Petitionen zu Piano-Entwurf. BauNetz, 4. Juni 2008; abgerufen am 26. Juni 2009 Architektur: Grünes Licht für Neubauten an Le Corbusiers Kirche. In: Die Welt, 12. Februar 2009; abgerufen am 28. Juni 2009 Zwölf Zellen für sieben Klarissen. Pianos Bauten in Ronchamp eingeweiht. BauNetz, 12. September 2011
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