Alba Iulia (; deutsch Karlsburg oder Weißenburg, ungarisch Gyulafehérvár) ist die Hauptstadt des Kreises Alba in der Region Siebenbürgen. Zudem ist sie Sitz der Planungsregion Zentralrumänien.

Früher war der Ort als rumänisch Bălgrad, deutsch Weißenburg und Balgrad sowie ungarisch Erdélyifehérvár, Fehérvár und Fejérvár bekannt. Den deutschen Namen Karlsburg sowie den ungarischen Károlyfehérvár erhielt sie erst 1711 nach Kaiser Karl VI.

Alba Iulia (; deutsch Karlsburg oder Weißenburg, ungarisch Gyulafehérvár) ist die Hauptstadt des Kreises Alba in der Region Siebenbürgen. Zudem ist sie Sitz der Planungsregion Zentralrumänien.

Früher war der Ort als rumänisch Bălgrad, deutsch Weißenburg und Balgrad sowie ungarisch Erdélyifehérvár, Fehérvár und Fejérvár bekannt. Den deutschen Namen Karlsburg sowie den ungarischen Károlyfehérvár erhielt sie erst 1711 nach Kaiser Karl VI.

Antike

Die Besiedlung des Ortes reicht bis in die Jungsteinzeit zurück.[1] In einer archäologischen Fundstätte im Nordosten der Stadt, in Lumea Nouă wurden 1942 entsprechende Funde gemacht.[2]

Das Gebiet des heutigen Alba Iulia gehörte bis 107 n. Chr. zu Dakien. Da in der Nähe das Zentrum des Dakerreiches lag, errichteten die Römer – nach den Dakerkriegen und der Besetzung Dakiens – hier das Castrum Apulensis als Verwaltungszentrum. Während der nächsten 160 Jahre trug die Siedlung den Namen Apulum und entwickelte sich zu einer Verwaltungszentrale der Gold- und Silberbergwerke im westlich gelegenen Siebenbürgischen Erzgebirge und zum Hafen der römischen Provinz Dakien.

Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts zogen sich die Römer im Jahr 271 aus Apulum zurück. Die Stadt wurde durch die Wandervölker verwüstet. Nacheinander wurde das Gebiet von ostgermanischen Stämmen (Ostgoten, Gepiden) und halbnomadischen Reitervölkern (Awaren und Ungarn) bewohnt. Womöglich bereits im 6. Jahrhundert, als die Slawen begannen, unter awarischer Herrschaft in die Region einzuziehen, nannten sie die Stadt wegen der weiß gestrichenen Bauten Bălgrad („weiße Burg“ oder „die weiße Stadt“). Spätestens als das südliche Karpatenbecken unter bulgarische Herrschaft geriet, kann von einer Wiederbelebung der strategisch wichtigen Festung ausgegangen werden. Sie diente zur Überwachung des Salzhandels.

Ungarische Herrschaft

Die Ungarn übernahmen den slawischen Namen sinngemäß und nannten es Fehérvár („Weißenburg“). Zur Unterscheidung der verschiedenen Weißenburgen im Herrschaftsgebiet der Magyaren (siehe: Székesfehérvár, Nándorfehérvár) erhielt sie Zusatz nach dem dort ansässigen Gyula. Gyula war damals noch kein Name, sondern der Titel des zweitmächtigsten Ungarn vor der Christianisierung der Magyaren. Die deutsche Bezeichnung Alba Iulias Karlsburg erhielt Weißenburg nach dem Ausbau der Festung unter dem Habsburger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl VI.

Seit dem 9. Jahrhundert beherrschten die Gyulas von Alba Iulia aus das südöstliche Karpatenbecken. Ende des 10. Jahrhunderts begann der römisch-katholische König Stephan I. alle ungarischen Stämme zu vereinigen und die Christianisierung des noch teilweise heidnischen Volks voranzutreiben. Im Jahr 1003 nahm Stephan I. die Stadt seines Onkels Gyula Prokuj ein, der sich, wie sein Vater Zsombor, vergebens an Byzanz orientiert hatte. Der östliche Teil des Karpatenbeckens wurde integraler Bestandteil des nun christlichen feudalen Königreich Ungarn. Der Titel Gyula wurde nie wieder vergeben, hat sich aber bis heute im Namen der Stadt erhalten.

Mit der Vollendung der Grenzen des Erzbistums Weißenburg (Gyulafehérvár) im Auftrag des Papstes durch den Bischof von Ostia wurde Weißenburg im Jahr 1009 Sitz der kirchlichen Organisation Siebenbürgens. Der erste Bischof von Weißenburg war Buldus (1009–1046), gefolgt von Franco. Im 12. Jahrhundert erhielt Weißenburg von der ungarischen Krone Privilegien, wurde aber 1241 durch einen Tatareneinfall verwüstet. Für den Wiederaufbau schenkte Ladislaus IV., König von Ungarn, dem Domkapitel von Weißenburg das Salzbergwerk Turda (Thorenburg).

Hauptstadt von Siebenbürgen

Nach der Besetzung von Buda durch Süleyman I. und dem Zerfall des ungarischen Königreichs war die Stadt von 1451 bis 1690 kulturelles und administratives Zentrum des unter osmanischer Oberherrschaft stehenden Fürstentums Siebenbürgen. Zwischendurch wurde die Stadt kurzzeitig (1599–1601) vom walachischen Woiwoden Michael dem Tapferen besetzt und als Regierungssitz benutzt.[3]

1622 gründete Gabriel Bethlen in Weißenburg die erste siebenbürgische protestantische Akademie, an der der schlesische Dichter Martin Opitz lehrte. Die Gründer der reformierten Akademie waren Johann Heinrich Altsted (1588–1638) und Johann Heinrich Bisterfeld (1605–1655). Altsted und Bisterfeld waren vorher Professoren an der reformierten Hohen Schule in Herborn gewesen und anerkannte Universalgelehrte. Mit ihnen kam auch Philipp Ludwig Piscator (1575/1580–1656?) nach Weißenburg. Er war der Sohn des reformierten Bibelwissenschaftlers Johannes Piscator und auch Theologieprofessor an der Hohen Schule. Das heutige Protestantische-Theologische Institut (Reformierte Abteilung) in Klausenburg (Cluj) sieht in Johann H. Altsted ihren akademischen Gründer und versteht sich als Nachfolger der ehemaligen reformierten Akademie Weißenburg.[4] Johann H. Bisterfeld war neben seiner akademischen Tätigkeit auch Diplomat und Geheimer Rat von Fürst Georg I. Rákóczi von Siebenbürgen. Alle drei Gelehrten wirkten bis zu ihrem Tode in Weißenburg.

Habsburger-Zeit

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Stadt durch die Türken zerstört und anschließend von den kaiserlichen Truppen Karls VI. besetzt. Nach Einebnung vieler Bauten auf dem Areal der heutigen Festung wurde 1714 nach Plänen von Giovanni Morando Visconti im Auftrag des Prinzen Eugen von Savoyen mit dem Bau der siebeneckigen Festung[5] im Vauban-Stil begonnen. Aus dieser Zeit bekam Weißenburg den Kunstnamen Karlsburg.

Von 1761 bis 1871 befand sich in Karlsburg die Münzprägeanstalt des ungarischen Teils der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. 1784 fand in Alba Iulia der Prozess und die Hinrichtung der Anführer des Bauernaufstandes von 1784 – Horea und Cloșca – statt.

Vereintes Rumänien  Resolution von Alba Iulia

Vertreter der Rumänen im zerfallenden Königreich Ungarn kamen vom 18. November bis 1. Dezember 1918 zu einer Nationalversammlung in Alba Iulia zusammen. Sie beschlossen die „Resolution von Alba Iulia“, in der sie sich für einen Anschluss Siebenbürgens, des Banats und weiterer bislang ungarischer Gebiete an Rumänien aussprachen. Dieses wurde in dem Vertrag von Trianon bestätigt; es entstand Großrumänien. An dieses Votum erinnert die Halle der Einheit (Sala Unirii) sowie der rumänische Nationalfeiertag (Tag der Großen Einheit) am 1. Dezember. Im Zuge dieser Ereignisse wurde Alba Iulia Kreishauptstadt, Sitz des römisch-katholischen- und des griechisch-orthodoxen Bischofs und Verwaltungs- und Kulturzentrum der Region. Die städtischen Verwaltungsgebäude stammen zum größten Teil aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1922 wurden in Alba Iulia Ferdinand I. und Maria von Rumänien als König und Königin des neuen Großrumänien gekrönt. Die orthodoxe Kathedrale wurde zu diesem Anlass erbaut.

Mit der Verwaltungsreform von 1968 und der Eingliederung von Gemeinden setzte in der Stadt die Industrialisierung ein, und es entstanden neue Wohnviertel.

Politische und berufsständische Vertreter der Versammlung der Weinbauregionen Europas (AREV; Assemblée des Régions Européennes Viticoles) trafen sich am 4. September 2007 in Alba Iulia, um eine Antwort auf die Vorschläge der Kommission zur Weinmarktreform auszuarbeiten (siehe auch Mainzer Resolution).[6]

Liste historischer Denkmäler des rumänischen Kulturministeriums, 2010 aktualisiert (PDF; 7,10 MB). Mihai Gligor: Angaben zur Fundstätte Lumea Nouă von Alba Iulia, abgerufen am 29. Dezember 2010 (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive) (rumänisch; PDF-Datei; 183 kB). Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hrsg.): Reisehandbuch Siebenbürgen. Kraft-Verlag, Würzburg 1993, ISBN 3-8083-2019-2. Michael Weber: Auf Johann Heinrich Altsteds Spuren. In: Reformierte Kirchenzeitung (RKZ). Band 7. Neunkirchener Verlag, Neunkirchen 1995, S. 299 ff. Visit Alba Iulia. In: visitalbaiulia.com. 2014, abgerufen am 29. Juli 2019 (englisch). Stellungnahme der AREV von 3.–5. September 2007, zur Reform der Weinmarktordnung (Memento vom 29. Februar 2012 im Internet Archive).
Fotografien von:
Kiki Vasilescu - CC BY-SA 4.0
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