Die Galeries Lafayette [ɡalʁi lafajɛt] ist eine große traditionsreiche französische Warenhauskette. Das Stammhaus in Paris, eines der ältesten Kaufhäuser Frankreichs, ist bemerkenswert wegen seiner Jugendstilarchitektur. Galeries Lafayette ist weltweit an 65 Standorten vertreten.

Der Kaufmann Théophile Bader aus Dambach-la-Ville und sein Cousin Alphonse Kahn aus Kolbsheim eröffneten zunächst 1894 ein Wäschemodegeschäft mit einer Ladenfläche von 70 m² im 9. Arrondissement in der Rue La Fayette Nr. 1 in bester Geschäftslage, wenige Minuten entfernt von der Pariser Oper. Sie benannten das Geschäft 1894 nach der Straße in Aux Galeries Lafayette. Am 21. Dezember 1895 kaufte die Gesellschaft das gesamte Gebäude rue La Fayette Nr. 1;[1] bald wurde aus dem Modegeschäft ein Kaufhaus mit 265 m² auf fünf Stockwerken. In den folgenden fünf Jahren kamen weitere Modegeschäfte in Paris und Lyon hinzu. Die Gesellschaft erweiterte ihre Geschäftstätigkeit über den reinen Einzelhandel hinaus auch auf die Modeproduktion. 1899 wurde die Aktiengesellschaft Société Anonyme des Galeries Lafayette gegründet.

Der Architekt Georges Chedanne erhielt 1906 den Auftrag für eine 10-stöckige Neukonstruktion, die 1908 fertig war. Hierdurch dehnte sich das Stammhaus weiter aus bis zur Adresse 38–41 Boulevard Haussmann. 1907 hatte das Kaufhaus mehr als 750 Angestellte. Von 1910 bis 1912 wurde ein Gebäudekomplex in armierter Betonskelettbauweise errichtet. Auf der 33 Meter hohen Jugendstil-Galeriehalle wurde eine 40 Meter hohe farbige Glaskuppel errichtet; die Eröffnung fand am 8. Oktober 1912 statt. Das Haus hatte nun eine Verkaufsfläche von 18.000 m². Noch im Jahre 1912 verkaufte Kahn seinen Anteil an Bader.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges durchlitt das Unternehmen eine Phase sinkender Umsätze. 1916 wurde eine Filiale in Nizza eröffnet, 1920 eine weitere Filiale in London. Die Geschäfte an den Standorten Paris und Lyon wurden kontinuierlich erweitert. 1931 eröffnete eine Filiale in Bukarest.

Um den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu begegnen, wurde im Oktober 1932 das erste Monoprix-Geschäft eröffnet (in Rouen); bis 1938 entstanden in Frankreich 42 Monoprix-Niederlassungen: Kaufhäuser mit einfacher Ausstattung und gängiger, volkstümlicher Ware zu einheitlichen Preisen. Das 1928 gegründete Unternehmen Uniprix und das 1931 gegründete Unternehmen Prisunic eröffneten und betrieben ähnliche Kaufhäuser.

Im Juni 1940 besetzte die Wehrmacht Teile Frankreichs; das Vichy-Regime erließ bald einige antijüdische Gesetze. Diese zwangen die gesamte Geschäftsleitung, bestehend aus Théophile Bader, Max Heilbronn und Raoul Meyer, zum Rücktritt. Das Unternehmen wurde „arisiert“.[2] Bader starb am 16. März 1942. Heilbronn wurde am 12. Juni 1943 vom SD verhaftet, dann in Lyon und Compiègne inhaftiert, am 3. Januar 1944 ins KZ Buchenwald deportiert, dann ins KZ Natzweiler-Struthof und dann ins KZ-Außenlager München-Allach deportiert. Dort wurde er am 30. April 1945 befreit. 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, übernahmen Heilbronn und Meyer wieder die Geschäftsführung.

Die ersten Nachkriegsjahre waren durch Versorgungsengpässe und ein eingeschränktes Sortiment gekennzeichnet. Ab etwa 1950 konnte das Unternehmen wieder das volle Warensortiment wie zu Vorkriegszeiten anbieten und expandieren. In den 1970er-Jahren hatte die Kette in fast jeder großen Stadt Frankreichs ein Warenhaus.

In der Nähe des Pariser Stammhauses der Galeries Lafayette, am Boulevard Haussmann Nr. 64, liegt Printemps, ein weiteres berühmtes Pariser Kaufhaus.

1996 eröffneten die Galeries Lafayette als eines der ersten Unternehmen nach der deutschen Wiedervereinigung im ehemaligen Ostteil Berlins ein Warenhaus, die Galeries Lafayette Berlin.

Bis 2019 wurden sowohl in Frankreich, wie etwa die Pariser Standorte Beaugrenelle und Champs-Élysée, als auch zehn Filialen im Ausland wie etwa in Dubai oder Shanghai eröffnet.

2018 und 2021 übernahm der Unternehmer Michel Ohayon insgesamt 26 Häuser der Gruppe, hauptsächlich in kleineren Städten wie Tarbes, Pau, Lorient und Belfort. Diese Filialen waren lange Zeit defizitär, der neue Eigentümer wollte sie mit neuen Konzepten rentabel machen. Sie sind in der Holdinggesellschaft HPB (Hermione People & Brands) organisiert, die keine Finanzzahlen veröffentlicht.[3][4] Anfang 2023 stellte Michel Ohayon einen Antrag auf Eröffnung eines gerichtlichen Sicherungsverfahrens (redressement judiciaire) für die Häuser seiner Gruppe.[5] Im Oktober 2023 gab man die Schließung des Berliner Standorts Ende 2024 bekannt.[6]

Galeries Lafayette: les affiches “entreprise juive” sont apposées sur les vitrines dès juin 1940. In: Israel valley, site officiel de la chambre de commerce France-Israël. Israelvalley Desk, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Juli 2016; abgerufen am 18. Februar 2017 (französisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.israelvalley.com Annie Lacroix-Riz: Industriels et banquiers français sous l’Occupation. Édition Armand Colin, 2. überarbeitete Auflage 2013, ISBN 978-2-200-27776-5, (Erstausgabe 1999), S. 91 ff. (books.google.de). Angélique Vallez: Michel Ohayon: Le sauveur du commerce, vraiment ? In: Capital. Nr. 375. Prisma Media, Gennevielliers Dezember 2022, S. 28. Jean-Noël Caussil: Les fortes ambitions de HPB pour ses Galeries Lafayette. In: LSA Commerce et Consommation. InfoPro, 22. August 2022, abgerufen am 31. Dezember 2022 (französisch). Les magasins Galeries Lafayette de Belfort et Besançon en procédure de sauvegarde, et non en redressement judiciaire. In: L'Est Républicain. 18. Februar 2023, abgerufen am 18. Februar 2023 (französisch). Einzelhandel: Galeries Lafayette verkündet Aus für Berliner Kaufhaus. Lebensmittel Zeitung, 5. Oktober 2023, abgerufen am 5. Oktober 2023.
Fotografien von:
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