Kontext von Slowakei

Die Slowakei (slowakisch , amtlich Slowakische Republik, slowakisch ) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa, der an Österreich, Tschechien, Polen, die Ukraine und Ungarn grenzt. Die Hauptstadt und gleichzeitig größte Stadt des Landes ist Bratislava (deutsch Pressburg), weitere wichtige Städte sind Košice (Kaschau), Prešov (Eperies), Žilina (Sillein), Banská Bystrica (Neusohl) und Nitra (Neutra).

Das Land ist zu zwei Dritteln gebirgig und hat einen beträchtlichen Anteil am Karpatenbogen. Im Westen reicht es bis zum nördlich der Donau liegenden Teil des Wiener Beckens, während der Süden und Südosten bis zur Donau und einem kleinen Teil der Theiß durch Ausläufer der Pannonischen Tiefebene geprägt sind. Die Slowakei liegt in der kontinental-gemäßigten Klimazone mit Unterschieden zwischen dem tiefer gelegenen Süden und dem gebirgigen Norden des Landes.

Das Gebiet der heutigen Slowakei wurde am Wendepunkt desWeiterlesen

Die Slowakei (slowakisch , amtlich Slowakische Republik, slowakisch ) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa, der an Österreich, Tschechien, Polen, die Ukraine und Ungarn grenzt. Die Hauptstadt und gleichzeitig größte Stadt des Landes ist Bratislava (deutsch Pressburg), weitere wichtige Städte sind Košice (Kaschau), Prešov (Eperies), Žilina (Sillein), Banská Bystrica (Neusohl) und Nitra (Neutra).

Das Land ist zu zwei Dritteln gebirgig und hat einen beträchtlichen Anteil am Karpatenbogen. Im Westen reicht es bis zum nördlich der Donau liegenden Teil des Wiener Beckens, während der Süden und Südosten bis zur Donau und einem kleinen Teil der Theiß durch Ausläufer der Pannonischen Tiefebene geprägt sind. Die Slowakei liegt in der kontinental-gemäßigten Klimazone mit Unterschieden zwischen dem tiefer gelegenen Süden und dem gebirgigen Norden des Landes.

Das Gebiet der heutigen Slowakei wurde am Wendepunkt des 5. und 6. Jahrhunderts von den Slawen besiedelt. Deren erstes politisches Gebilde war das Reich des Samo (7. Jahrhundert), später befand sich in der Slowakei eines der Zentren des frühmittelalterlichen Mährerreiches. Im 11. Jahrhundert wurde die Slowakei in das Königreich Ungarn eingegliedert, das ab 1526 Teil der Habsburgermonarchie und ab 1867 Teil Österreich-Ungarns war. Nach der Auflösung der Doppelmonarchie 1918 wurde die Slowakei Teil der neu gegründeten Tschechoslowakei. Mit deren Zerschlagung durch das Dritte Reich entstand 1939 der kurzlebige Slowakische Staat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die tschechoslowakische Republik 1945 wiederhergestellt. Am 1. Januar 1993 entstand nach friedlicher Aufteilung der Tschechoslowakei die unabhängige Slowakische Republik als Nationalstaat der Slowaken.

Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Europäischen Union und der NATO. Im Jahr 2007 wurden gemäß dem Schengen-Abkommen die Grenzkontrollen zu EU-Staaten aufgehoben, 2009 trat die Slowakei der Eurozone bei. Das Land ist eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik. Mit Polen, Tschechien und Ungarn bildet die Slowakei die Visegrád-Gruppe.

Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt die Slowakei zu den Ländern mit sehr hohem Wohlstand.

Mehr über Slowakei

Grundinformation
Population, Area & Driving side
  • Bevölkerung 5449270
  • Fläche 49035
  • Fahrseite right
Verlauf
  • Urzeit bis Antike
     
    Die Venus von Moravany

    Das Gebiet der heutigen Slowakei wurde bereits vor der letzten Eiszeit von Menschen besiedelt. Zahlreiche Funde von Objekten der Gravettien-Kultur des mittleren Jungpaläolithikums weisen auf eine Besiedlung zu dieser Zeit hin, besonders in der Westslowakei bis zur heutigen Stadt Žilina sowie in der Ostslowakei. Zwei bedeutende Funde aus der Urzeit sind die Travertinfüllung der Hirnschale eines Neandertalers bei Gánovce aus der letzten Zwischeneiszeit (geschätztes Alter 100.000 Jahre) und die Venusfigurine von Moravany (geschätztes Alter 22.800 Jahre).[1]

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    Urzeit bis Antike
     
    Die Venus von Moravany

    Das Gebiet der heutigen Slowakei wurde bereits vor der letzten Eiszeit von Menschen besiedelt. Zahlreiche Funde von Objekten der Gravettien-Kultur des mittleren Jungpaläolithikums weisen auf eine Besiedlung zu dieser Zeit hin, besonders in der Westslowakei bis zur heutigen Stadt Žilina sowie in der Ostslowakei. Zwei bedeutende Funde aus der Urzeit sind die Travertinfüllung der Hirnschale eines Neandertalers bei Gánovce aus der letzten Zwischeneiszeit (geschätztes Alter 100.000 Jahre) und die Venusfigurine von Moravany (geschätztes Alter 22.800 Jahre).[1]

     
    Römische Aufschrift in Trenčín zur Jahreswende 178 und 179

    Die ersten landwirtschaftlichen Siedlungen erschienen gegen 5000 v. Chr., mit zahlreichen Funden besonders in der West- und Südostslowakei.[2] Hierzu zählen die Linearbandkeramische Kultur (inklusive der Želiezovce-Kultur), die Bükker Kultur, die Lausitzer Kultur und die Puchauer Kultur. Große Siedlungen befanden sich Funden zufolge bei Spišský Štvrtok (Fundstätte Myšia hôrka) und Nitriansky Hrádok (bei Šurany).[3] Das erste schriftlich erwähnte Volk auf diesem Gebiet waren die Kelten, die seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. eine bedeutende Ethnie Europas stellten und ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. auch die heutige Slowakei besiedelten. Mit den Kelten kam es zu einer weitreichenden Entwicklung in der Verarbeitung von Eisen, Lehm, Wolle und Leinen. Vor allem Waffen zählen zu den häufigsten keltischen Funden.[4]

     
    Frühchristliches Kreuz aus dem Kastell Gerulata, wo sich möglicherweise schon im 2. Jahrhundert eine christliche Gemeinde befand. Die (möglichen) Anzeichen einer Christianisierung verschwinden in der Zeit zwischen dem 4. und dem 9. Jahrhundert.[5]

    Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden die Kelten durch die germanischen Quaden abgelöst. Das Gebiet der heutigen Slowakei war dann Schauplatz mehrerer Römisch-Quadischer Kriege, von denen unter anderem auch die römische Inschrift im heutigen Trenčín (damals Laugaricio) zeugt. Die römische Anwesenheit beschränkte sich ansonsten auf den Donaulimes, mit Lagern in Gerulata (heute Rusovce) sowie Celemantia (heute Iža).[6] Einzelne römische Fundstellen belegen zumindest sporadisch eine Anwesenheit von Römern auch im Landesinneren, wie beispielsweise die Reste eines in einem römisch-germanischen Stil errichteten Hauses nahe Stupava.[7] Um 200 ließen sich die Vandalen in Teilen der Ostslowakei nieder.[8]

    Von Ende des 4. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts war das Gebiet der Slowakei Teil des Königreiches der Hunnen. Nach dem Ende der Hunnenherrschaft kamen im Jahr 469 die Ostgoten in das Gebiet der heutigen Slowakei, zogen dann allerdings weiter nach Westen. Im Karpatenbecken ließen sich als nächstes die ostgermanischen Gepiden nieder. An der Wende vom 5. zum 6. Jahrhundert n. Chr. erreichten die Langobarden das Gebiet der heutigen Slowakei, zogen aber im Jahr 568 nach Norditalien.[9]

    Frühmittelalter (500 bis 1000)
     
    Statue des Fürsten Svatopluks I. auf der Burg Bratislava

    Die slawischen Vorfahren der Slowaken erreichten das Gebiet der heutigen Slowakei am Ende des 5. Jahrhunderts und wurden dort im Laufe des 6. Jahrhunderts zur dominierenden Ethnie.[10] Ihr erstes politisches Gebilde war möglicherweise das im 7. Jahrhundert entstandene Reich des Samo,[11] im 8. Jahrhundert standen sie unter der Herrschaft der Awaren. Anfang des 9. Jahrhunderts entstand in der Stadt Nitra eines der Zentren des frühmittelalterlichen Mährerreiches. Der in Nitra residierende Fürst Pribina – entweder Herrscher eines eigenständigen Fürstentums Nitra oder ein mährischer Lokalherrscher[12] – ließ dort um das Jahr 828 die erste christliche Kirche auf dem Gebiet der heutigen Slowakei einweihen, wurde aber um 833 vom mährischen Fürst Mojmir I. (um 830–846) ins Exil verbannt.[13]

    Das Mährerreich, welches das erste bedeutende slawische Staatswesen darstellte,[14] spielte und spielt eine herausragende Rolle für die slowakische Nationalidentität. Unter dem mährischen Fürst Rastislav (846–870) lehnten sich die Mährer mehrmals erfolgreich gegen die ostfränkische Vorherrschaft auf,[15] außerdem wurde von den byzantinischen Priestern Kyrill und Method die von ihnen geschaffene slawische Schriftsprache in Mähren als Liturgiesprache eingeführt. Rastislavs Nachfolger Svatopluk I. (871–894) setzte dessen Unabhängigkeitspolitik fort und schuf durch den Anschluss Wislaniens, Böhmens und möglicherweise auch der Lausitz, Schlesiens sowie Pannoniens ein slawisches Großreich,[16][17] das er militärisch erfolgreich gegen die Angriffe der Ostfranken, Bulgaren und Magyaren verteidigte.[18] Nach dem Tod Svatopluks I. im Jahr 894 ging das Mährerreich – durch einen Bürgerkrieg zwischen seinen Söhnen innerlich geschwächt – im ersten Jahrzehnt des 10. Jahrhunderts nach mehreren Angriffen der Magyaren unter, dazu schlugen die Magyaren ein bayerisches Heer in der Schlacht von Pressburg. Das Gebiet der heutigen Slowakei geriet im Laufe des 10. Jahrhunderts, insbesondere nach der magyarischen Niederlage auf dem Lechfeld im Jahr 955, schrittweise unter die Herrschaft des neuentstehenden ungarischen Staates.[19] Archäologisch lassen sich an vielen Orten mit Sakralbauten Zerstörungen nachweisen, doch erfolgte bald darauf ihr Wiederaufbau.[20]

    Oberungarische Epoche (1000 bis 1918)
     
    Ľudovít Štúr, Kodifikator der slowakischen Schriftsprache und Aufstandsführer 1848/49

    Im Jahr 1000 gründete der ungarische König Stephan I. das multiethnische Königreich Ungarn, in dem das Gebiet der Slowakei jedoch bis 1108 als Lehensherzogtum eine eigenständige Verwaltungseinheit bildete.[21] Danach wurde das Gebiet der Slowakei für mehr als 800 Jahre völlig in das Königreich Ungarn integriert. 1075 wurde im Zuge der Christianisierung das Kloster Hronský Beňadik gegründet, gegen 1110 entsteht wieder das Bistum Nitra. Der Mongolensturm 1241 und 1242 entvölkerte große Teile des Staatsgebietes, woraufhin deutsche Siedler (siehe Karpatendeutsche) zur Neubesiedlung ins Land geholt wurden. Diese begünstigten die Blütezeit des oberungarischen Bergbaus im 13. und 14. Jahrhundert, welcher europäische und weltweite Bedeutung erlangte. Eine andere Folge war die Errichtung zahlreicher Burgen.[22] Im 14. Jahrhundert kamen auch die ersten Walachen in die Slowakei, um Hochflächen des Landes zu besiedeln. Sie wurden nach und nach slowakisiert und katholisiert.[23] In derselben Zeitepoche kamen auch die Juden. Nach dem Aussterben der Árpáden kam es zu einer feudalen Anarchie mit mehreren Oligarchen (z. B. Mattäus Csák), die nach 20 Jahren durch Karl I. aus dem Haus Anjou beendet wurde. Im Zuge der Hussitenkriege wurden zwischen 1428 und 1433 große Teile des Landes schwer verwüstet.[24] Im Jahr 1465 wurde im Auftrag des ungarischen Königs Matthias Corvinus in Pressburg (heute Bratislava) die erste Universität auf slowakischem Gebiet gegründet. Sie wurde nach dessen Tod 1490 jedoch geschlossen.[25]

    Nach der Niederlage des ungarischen Heeres gegen die Türken 1526 wurde Ungarn Teil der Habsburgermonarchie. Nachdem die Türken bis auf die heutige Slowakei den Großteil Ungarns erobert hatten, wurde die heutige slowakische Hauptstadt Bratislava Hauptstadt Ungarns und Krönungsstadt der ungarischen Könige (bis 1783 bzw. 1830)[26] sowie die Stadt Tyrnau Zentrum der ungarischen Kirche. Die heutige Ostslowakei stand zeitweise unter der Herrschaft des türkischen Vasallen Siebenbürgen und Teile der südlichen Mittelslowakei rund um Fiľakovo wurden direkt durch das Osmanische Reich regiert. Danach musste das Land unter fast ständigen Türkenkriegen leiden; im 17. Jahrhundert war Oberungarn (Slowakei) das Zentrum der antihabsburgischen Kuruzenaufstände. Der seit 1521 laufenden Reformation in Ungarn wurde im 17. Jahrhundert durch die Gegenreformation entgegengewirkt.[27] Nach der Zweiten Wiener Türkenbelagerung und der Schlacht am Kahlenberg im Jahr 1683 wurden die Osmanen schrittweise verdrängt, während die Standesaufstände erst mit dem Friede von Sathmar (1711) ihr Ende fanden.[28]

    Im 18. Jahrhundert war das Gebiet der heutigen Slowakei das wirtschaftliche Zentrum des Königreichs Ungarn. Mit dem fortschreitenden Wiederaufbau des Landes verlor die Slowakei die Vormachtstellung im Königreich, als die Universität Tyrnau, Hauptstadt und Sitz des Graner Erzbischofs nach Buda beziehungsweise Esztergom verlegt wurden.[29] Ende des 18. Jahrhunderts begann die Nationale Wiedergeburt der Slowaken. Der katholische Priester Anton Bernolák schuf 1787 die erste slowakische Schriftsprache, die sich jedoch nicht durchsetzen konnte. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts verfolgte die slowakische Nationalbewegung unter Ján Kollár und Pavel Jozef Šafárik eine intensive Zusammenarbeit mit der im österreichischen Teil der Monarchie aktiven tschechischen Nationalbewegung. 1846 veröffentlichte Ľudovít Štúr die bis heute gültige slowakische Schriftsprache.[30] Unter Führung Štúrs kämpften bewaffnete slowakische Freiwilligenverbände während der Ungarischen Revolution 1848/1849 an der Seite von Kroaten, Serben und Rumänen für die Loslösung ihrer Gebiete vom magyarisch dominierten Königreich Ungarn, was jedoch misslang.[31] Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 kam es zu einer repressiven Magyarisierungspolitik, welche die nationale Existenz der Slowaken bedrohte.[32] Bis auf einen schmalen Streifen der Nordostoslowakei in den Winterschlachten 1914/15 blieb das Land von direkten Einwirkungen des Ersten Weltkriegs verschont.[33]

    Zwischenkriegszeit und Slowakischer Staat (1918 bis 1945)
     
    Milan Rastislav Štefánik, einer der drei Gründerväter der Tschechoslowakei

    Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten Slowaken und Tschechen 1918 ihren gemeinsamen Staat Tschechoslowakei, als einer von dessen Gründungsvätern wird Milan Rastislav Štefánik von den Slowaken verehrt. Mit dem Vertrag von Trianon wurde die Slowakei nach 1000 Jahren endgültig von Ungarn abgetrennt.[34] In der Verfassung der Tschechoslowakei vom 29. Februar 1920 wurde unter anderem das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt, das auch in der heutigen Slowakei gilt.[35][36] Die Tschechoslowakei ermöglichte den Slowaken bis 1938 als einziger Staat Osteuropas eine demokratische Entwicklung und Schutz vor dem ungarischen Revisionismus, jedoch nahmen wegen der Staatsdoktrin des Tschechoslowakismus und dem Zentralismus der Regierung in Prag Spannungen zwischen Slowaken und Tschechen zu. Dabei entwickelten sich die katholisch-nationalistischen Ludaken unter Führung des Priesters Andrej Hlinka zum wichtigsten Sprachrohr der slowakischen Autonomieforderungen innerhalb des tschechoslowakischen Staates.[37]

    Im September 1938 geriet die Tschechoslowakei ins Visier des nationalsozialistischen Dritten Reiches und verlor in Folge des Münchner Abkommens und des Ersten Wiener Schiedsspruchs große Teile ihres Staatsgebietes. Im März 1939 wurde auch der Rest des mittlerweile in Tschecho-Slowakei umbenannten Staates zerschlagen, als slowakische Politiker nach deutschen Drohungen einer ungarischen Besetzung der Slowakei einen unabhängigen Slowakischen Staat ausriefen.[38] Dieser erste slowakische Nationalstaat war eine ultranationalistische Einparteiendiktatur der Ludaken unter Staatspräsident Jozef Tiso und Premierminister Vojtech Tuka, wobei sich insbesondere Tuka für eine bedingungslose Kollaboration mit dem Dritten Reich einsetzte.[39] Die Slowakei beteiligte sich 1939 am Überfall auf Polen und ab 1941 am Krieg gegen die Sowjetunion. Darüber hinaus wurden antisemitische Gesetze erlassen und 1942 zwei Drittel der slowakischen Juden in deutsche Vernichtungslager deportiert. Der im August 1944 von Teilen der slowakischen Armee gegen den Einmarsch der Wehrmacht und das Ludaken-Regime gerichtete Slowakische Nationalaufstand wurde nach zwei Monaten niedergeschlagen. Die Slowakei wurde im April 1945 von der Roten Armee besetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der neugegründeten Tschechoslowakei.[40]

    In der wiedergegründeten Tschechoslowakei (1945 bis 1992)
     
    Alexander Dubček, Leitfigur des Prager Frühlings 1968

    Im Jahr 1948 übernahm die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei (KSČ) die Macht im Staat. Es folgte zunächst eine stalinistische Diktatur unter den Parteichefs Klement Gottwald und Antonín Novotný.[41] In den 1960er Jahren kam es im slowakischen Landesteil zu einer Liberalisierung, nachdem Alexander Dubček 1963 Erster Sekretär der slowakischen Kommunisten wurde. Als Dubček zu Beginn des Jahres 1968 auch zum Parteichef der gesamten KSČ aufstieg, kam es zum sogenannten Prager Frühling, der jedoch durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes (mit Ausnahme der Albaniens, der DDR und Rumäniens) niedergeschlagen wurde.[42] Unter Dubčeks Nachfolger Gustáv Husák folgte nun die sogenannte Normalisierung, bei der eine prosowjetische Neuausrichtung des Landes erfolgte. Als einzigen Punkt von Dubčeks Reformprogramm setzte Husák die Föderalisierung des Staates um, sodass nun eine Slowakische Sozialistische Republik und eine Tschechische Sozialistische Republik die Tschechoslowakei bildeten.[43]

    Im November 1989 erfolgte mit der Samtenen Revolution der unblutige Sturz des kommunistischen Regimes, neuer tschechoslowakischer Staatspräsident wurde der Dissident Václav Havel, der ehemalige Reformkommunist Alexander Dubček wurde zum Parlamentspräsidenten gewählt.[44] Nach der demokratischen Wende kam es sehr bald wieder zu ersten Spannungen zwischen Slowaken und Tschechen. Der erste Konflikt wurde der als Gedankenstrich-Krieg bekannte Streit um den neuen Staatsnamen. Nach den ersten freien Wahlen im Juni 1990 verdeutlichten sich auch die unterschiedlichen Interessen in wirtschaftlichen, nationalen und außenpolitischen Fragen. Zum endgültigen Bruch kam es nach den Wahlen 1992. Der slowakische Ministerpräsident Vladimír Mečiar und der tschechische Ministerpräsident Václav Klaus konnten sich nicht auf eine gemeinsame Bundesregierung verständigen und einigten sich auf eine einvernehmliche Auflösung der Tschechoslowakei und deren Aufteilung in zwei unabhängige Staaten, die in der Silvesternacht zum 1. Januar 1993 friedlich erfolgte.[45]

    Von der Unabhängigkeit bis zum EU-Beitritt (1993 bis 2004)
     
    Vladimír Mečiar, „Staatsgründer“ der heutigen Slowakei und autoritärer Premier der 1990er Jahre
     
    Mikuláš Dzurinda (hier 2004 mit US-Präsident Bush) führte die Slowakei in die EU und NATO

    Nach der Unabhängigkeit dominierte bis 1998 Ministerpräsident Vladimír Mečiar die slowakische Politik, der insbesondere nach seinem Wahlsieg bei der Nationalratswahl 1994 zunehmend autoritär regierte.[46] Wirtschaftspolitisch verweigerte Mečiar die totale Öffnung der heimischen Wirtschaft, wie sie vom Westen gefordert wurde, und begünstigte bei Privatisierungen keine ausländischen Unternehmen, sondern vorrangig slowakische, meist seiner Partei nahestehende Firmen.[47][48][49] Außenpolitisch versuchte Mečiar die Slowakei in EU und NATO zu führen, gleichzeitig lag ihm aber daran, bei der außenpolitischen Orientierung eine Balance zwischen Russland und dem Westen zu erhalten. Da sie aber mit ihrer Innen- und Wirtschaftspolitik immer wieder gegen westliche Vorgaben verstieß, näherte sich die Slowakei immer mehr Russland an und geriet in Isolation zum Westen.[50][51]

    Die nach der Nationalratswahl 1998 an die Macht gekommene Regierung unter Mikuláš Dzurinda leitete eine umfangreiche Öffnung der slowakischen Wirtschaft für ausländische Investoren ein und begann mit großangelegten Sparmaßnahmen im öffentlichen Sektor.[52] Die Außenpolitik wurde nun ausschließlich auf die USA und die EU ausgerichtet, der Beitritt zur NATO und Europäischen Union erfolgte jedoch erst 2004, nachdem sich Dzurinda bei der Wahl 2002 erneut durchsetzen konnte. In seiner zweiten Amtszeit realisierte Dzurinda in der Slowakei eine stark neoliberale Politik, im Rahmen derer die Slowakei als erstes Land überhaupt eine Flat Tax von 19 % einführte.[53] Die Regierung Dzurinda wurde im westlichen Ausland als Reformregierung gelobt, traf jedoch wegen ihrer sozialen Einschnitte auf eine wachsende Unzufriedenheit innerhalb der slowakischen Bevölkerung.

    Die Slowakei in der Europäischen Union (seit 2004)

    Bei der Nationalratswahl 2006 siegte die linkspopulistische Smer-SD von Robert Fico, die sich nach einem Koalitionsabkommen mit den Nationalisten und der Mečiar-Partei zunächst starker Kritik aus dem Westen gegenübersah.[54] Unter der Regierung Fico trat die Slowakei 2007 dem Schengener Abkommen bei, die Einführung des Euro erfolgte am 1. Januar 2009.[55] In der Außenpolitik orientierte man sich wieder mehr an Russland, betonte aber weiterhin die Zugehörigkeit zu EU und NATO. Die neoliberale Wirtschaftspolitik der Ära Dzurinda wurde von der Regierung Fico beendet und Arbeitnehmerrechte ausgebaut, die Flat Tax aber vorerst beibehalten.[56] Von 2010 bis 2011 kam es erneut zu einer kurzfristigen wirtschaftsliberalen Regierung unter Ministerpräsidentin Iveta Radičová, die an die Politik der Regierungen Dzurinda anknüpfen wollte.[57] Die Regierungskoalition zerbrach aber 2011 vorzeitig wegen der Uneinigkeit der Regierungsparteien am EU-Rettungsschirm.

    Bei der Nationalratswahl 2012 gewann die Smer-SD von Robert Fico die absolute Mehrheit der Stimmen und konnte damit die erste Alleinregierung in der Slowakei seit 1989 bilden.[58] Die während der ersten Regierung Fico noch beibehaltene Flat Tax, wurde nun im Rahmen einer Sanierung des Staatsbudgets 2013 abgeschafft[59] und Unternehmensabgaben sowie Steuern für Spitzenverdiener erhöht. Das Budgetdefizit wurde von 2013 bis 2014 von 4,3 % auf 3 % reduziert, womit die Slowakei wieder die Maastricht-Kriterien erfüllte.[60] In der Außenpolitik unterstützte die zweite Fico-Regierung die gemeinsame EU-Position gegenüber Russland während der Annexion der Krim durch Russland und dem Krieg in der Ukraine seit 2014, übte aber gleichzeitig scharfe Kritik an den seitens der EU gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen.[61] Während der Flüchtlingskrise in Europa 2015 erklärte die slowakische Regierung ähnlich wie die Regierungen anderer ehemaliger Ostblockstaaten, dass sie christliche Flüchtlinge bevorzuge und eine EU-Quotenregelung zur Umverteilung der Flüchtlinge aus Griechenland und Italien sowie einen dauerhaften verpflichtenden Verteilungsschlüssel auf alle EU-Staaten strikt ablehne.[62]

    Nach der Nationalratswahl 2016 verlor Ficos Smer-SD ihre bisherige absolute Mehrheit deutlich und bildete eine breite Links-Rechts-Koalition. Am 14. März 2018 trat Robert Fico infolge des Skandals um die Ermordung des Investigativjournalisten Ján Kuciak und den nachfolgenden Protesten zurück. Sein Nachfolger wurde Parteikollege Peter Pellegrini. Bei den Präsidentschaftswahlen 2019 konnte sich die liberale Kandidatin Zuzana Čaputová in der Stichwahl gegen den Smer-SD-Kandidaten Maroš Šefčovič durchsetzen und ist seit dem 15. Juni 2019 das erste weibliche Staatsoberhaupt der Slowakei. Nach einem auf die Themen Korruption und Ermordung Kuciaks ausgerichteten Wahlkampf verlor die Smer-SD die Nationalratswahlen 2020. Stärkste Kraft wurde nunmehr die OĽaNO, die auch den Premierminister stellt. Die aus vier Parteien gebildete Regierung Matovič übernahm ihre Amtsgeschäfte am 21. März 2020, kurz nach dem Beginn der COVID-19-Pandemie in der Slowakei.[63]

    Kováč u. a.: Kronika Slovenska 1, S. 32–33. Kováč u. a.: Kronika Slovenska 1, S. 36. Kováč u. a.: Kronika Slovenska 1, S. 49. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 16. Hana Chorvátová: Untergang und Neuanfang – zur Christianisierung im Einflussbereich des frühmittelalterlichen mährischen Fürstentums auf dem Gebiet der heutigen Slowakei anhand archäologischer Quellen, in: Orsolya Heinrich-Tamáska (Hrsg.): Christianisierung Europas: Entstehung, Entwicklung und Konsolidierung im archäologischen Befund / Christanisation of Europe: Archaeological Evidence for it’s creation, development and consolidation. Internationale Tagung im Dezember 2010 in Bergisch Gladbach, Regensburg 2012, S. 239–260, hier: S. 242 (online, PDF). Kováč: Dejiny Slovenska, S. 16–19. K. Elschek, S. Groh, E. Kolníková, Eine neue germanische Siedlung und römisch-germanische ländliche Niederlassung von Stupava-Mást (Westslowakei), in: Slovenská Archeológia LXIII–1 (Nitra 2015), S. 63–114. Hochberger: Das große Buch der Slowakei, S. 441 Kováč: Dejiny Slovenska, S. 20–21. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 22. Laut Třeštík kann kaum angezweifelt werden, dass sich der Kern des Samo-Reiches in Südmähren befand und auch die Westslowakei umfasste. (Třeštík, 2010, S. 28.) Kováč schreibt, dass Samos Reich „wahrscheinlich“ auch das Gebiet der Slowakei umfasste (Kováč, 2000, S. 23.), während Barford eine derartige Lokalisierung verneint. (Barford, 2001, S. 80.) Laut Havlík (2013, S. 103.), Třeštík (2010, S. 131.) und Vlasto (1970, S. 24.) war Pribina ein mährischer Lokalfürst unter Mojmir I. Laut Kováč (2000, S. 25.), Kučera (1985, S. 35.) und Steinhübel (In: Teich, 2011, S. 16) war Pribina eigenständiger Fürst eines Fürstentums Nitra. Laut Steinhübel (In: Teich, 2011, S. 16.) und Kováč (2000, S. 25.) vereinigte Mojmir I. sein mährisches Fürstentum mit Pribinas Nitraer Fürstentum und schuf damit das Mährerreich (Großmähren). Großmähren und die Slawen an Elbe und Ostsee. In: Wolfgang Hermann Fritze u. a.: Frühzeit zwischen Ostsee und Donau: Ausgewählte Beiträge zum geschichtlichen Werden im östlichen Mitteleuropa vom 6. bis zum 13. Jahrhundert. Duncker & Humblot, 1982, S. 109. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 26–27. Barford: The Early Slavs, S. 110. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 27. Třeštík: Počátky Přemyslovců, S. 285. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 32. Hana Chorvátová: Untergang und Neuanfang – zur Christianisierung im Einflussbereich des frühmittelalterlichen mährischen Fürstentums auf dem Gebiet der heutigen Slowakei anhand archäologischer Quellen, in: Orsolya Heinrich-Tamáska (Hrsg.): Christianisierung Europas: Entstehung, Entwicklung und Konsolidierung im archäologischen Befund / Christanisation of Europe: Archaeological Evidence for it’s creation, development and consolidation. Internationale Tagung im Dezember 2010 in Bergisch Gladbach, Regensburg 2012, S. 239–260, hier: S. 249 (online, PDF). Steinhübel: The Duchy of Nitra In: Teich u. a.: Slovakia in History, S. 29. Schönfeld: Slowakei, S. 23–27. Hochberger: Das große Buch der Slowakei, S. 441 Kováč u. a.: Kronika Slovenska 1, S. 173–174. Kováč u. a.: Kronika Slovenska 1, S. 186, S. 194. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 60. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 66. Hochberger: Das große Buch der Slowakei, S. 468–469 Hochberger: Das große Buch der Slowakei, S. 470 Schönfeld: Slowakei, S. 46–49. Schönfeld: Slowakei, S. 53–56. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 134–140. Hochberger: Das große Buch der Slowakei, S. 474 Schönfeld: Slowakei, S. 68. United Nations Development Programme: Human Development Report 2007/2008. New York, 2007, ISBN 978-0-230-54704-9, S. 345 – New Parline: the IPU’s Open Data Platform (beta). In: data.ipu.org. 31. Januar 1919, abgerufen am 6. Oktober 2018 (englisch). Schönfeld: Slowakei, S. 77–84. Schönfeld: Slowakei, 90–99. Schönfeld: Slowakei, 102–105. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 243–244. Schönfeld: Slowakei, S. 170–179. Schönfeld: Slowakei, 190–197. Schönfeld: Slowakei, 198–203. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 311–314. Hofbauer: Slowakei, S. 68–76. Hofbauer: Slowakei, S. 93. Hofbauer: Slowakei, S. 91–94. Schönfeld: Slowakei, S. 226–227. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 333. Hofbauer: Slowakei, S. 103–107. Kováč: Dejiny Slovenska, S. 337–338. Hofbauer: Slowakei, S. 149–153. Hofbauer: Slowakei, S. 154. Hofbauer: Slowakei, S. 180–182. Hofbauer: Slowakei, S. 201. Hofbauer: Slowakei, S. 188–196. Hofbauer: Slowakei, S. 210–212. Hofbauer: Slowakei, S. 214–216. Hofbauer: Slowakei, S. 218. Stefan Gutbrunner: Ein Premier als Präsident. (Memento vom 12. März 2014 im Internet Archive) In: www.derstandard.at, vom 11. März 2014. Slowakischer Premier nach Kritik an Russland-Sanktionen unter Beschuss. In: derstandard.at, 12. August 2014, abgerufen am 8. Dezember 2015, 13:21; Slowakei der baltischen Staaten, dass sie christliche Flüchtlinge bevorzuge und eine EUund Tschechien sagen „Njet“ zu weiteren Russland-Sanktionen. (Memento vom 14. September 2014 im Internet Archive) In: wirtschaftsblatt.at, 6. September 2014, abgerufen am 8. Dezember 2015, 13:30. Slowakei will ausschließlich christliche Flüchtlinge. In: derstandard.at, 20. August 2015, abgerufen am 8. Dezember 2015, 13:13; Slowakei könnte noch mehr Flüchtlinge von Österreich nehmen. In: kurier.at, 10. August 2015, abgerufen am 11. Dezember 2015, 11:35. Neue slowakische Regierung: Vereidigung mit Mundschutz. In: tagesschau.de. 21. März 2020, abgerufen am 9. Mai 2020.
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    Die Slowakei ist heute ein sicheres Urlaubsland. Die hohe Kriminalität aus den frühen 1990er-Jahren ist nahezu komplett verschwunden, jedoch belastet sie das Image des Landes bis heute. Touristen werden am ehesten mit Taschendiebstahl und Trickbetrug konfrontiert. Auch Autodiebstahl oder Autoeinbrüche kommen vor. Allerdings ist die Situation auch nicht schlimmer als in anderen Urlaubsländern. Generell sollte man die üblichen Sicherheitsvorkehrungen einhalten.

    Insbesondere im Osten des Landes gibt es seitens der slowakischen Bevölkerung starke Ressentiments gegen Sinti und Roma sowie auch gegen Homosexuelle. Hier kommt es immer wieder zu Beschimpfungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen auf dunkelhäutigere oder auf als homosexuell wahrgenommene Personen.

    Bars und Clubs im Osten des Landes tragen manchmal Schilder am Eingang "Slovaks only". Hier ist gemeint, dass insbesondere Sinti und Roma unerwünscht sind. Der rücksichtsvolle Reisende wird solche Lokale dennoch meiden, um Rassismus und Ausgrenzung nicht zu unterstützen!

    Die folgenden Informationen wurden vom Auswärtigen Amt der Bundesrpublik Deutschland verfasst:

    Die Slowakische Republik ist grundsätzlich ein sicheres Reiseland. Reisende werden jedoch auf die erhöhte Diebstahlgefahr bei PKW-Reisen hingewiesen. Insbesondere neuere Fahrzeuge der Marken BMW, Mercedes, Audi und VW mit ausländischen Kennzeichen sind gefährdet, selbst wenn sie mit elektronischer Wegfahrsperre versehen sind. Kleinkriminalität in Form von Taschendiebstahl und Wageneinbruch kommt häufig vor. Auch Diebstähle in Hotels sind nicht auszuschließen. Link

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