Die Augustusbrücke ist eine Brücke über die Elbe in Dresden und verbindet die historischen Kerne der Altstadt und der Neustadt, die bis ins 16. Jahrhundert die selbstständige Stadt Altendresden war. Ursprünglich war sie der größte Brückenbau des deutschen Hochmittelalters sowie eines der größten mittelalterlichen Verkehrsbauwerke Europas. Unter August dem Starken wurde die Brücke durch Matthäus Daniel Pöppelmann grundlegend umgestaltet und zwischen 1907 und 1910 durch einen Neubau von Hermann Klette und Wilhelm Kreis ersetzt. Seit 2022 ist sie vorrangig für öffentliche Verkehrsmittel, Fuß- und Radverkehr vorgesehen und für den motorisierten Individualverkehr gesperrt.

Erste Brücke

Die älteste Brücke wird dem Baumeister Matthaeus Focius zugeschrieben. Von circa 1230 stammt die erste urkundliche Erwähnung unter den Burggrafen von Dohna. Damals wurden die Erzgebirgspässe südöstlich von Dresden ausgebaut, so dass das Handelsaufkommen zwischen Böhmen und Norddeutschland zunahm; dies ist auch den Silberfunden um Freiberg ab 1170 zuzuschreiben. Die Augustusbrücke war zudem ein wichtiger Bestandteil der Handelswege zwischen Prag und der Messestadt Leipzig.

Im Jahr 1287 wurde erstmals eine Steinbogenbrücke mit 24 Pfeilern und 23 Bögen erwähnt. Die Brücke war 7,20 Meter („15 Ellen“) breit und 561 Meter („800 Schritte“) lang; sie galt damals als die längste Gewölbebrücke Europas.[1][2] Die Konstruktion wies in zwei Feldern jeweils eine Zugbrücke auf sowie eine mittlere Brückenöffnung aus Holz, um diese zur Verteidigung Dresdens im Notfall abbrennen zu können. Das Magdalenenhochwasser von 1342 und ein Hochwasser 1343 beschädigten die Brücke erheblich, woraufhin sie wieder instand gesetzt wurde.

Dresden mit Elbbrücke, wie sich der Verfasser 1893 irrigerweise die Situation um 1206 vorstellte.[3] 

Dresden mit Elbbrücke, wie sich der Verfasser 1893 irrigerweise die Situation um 1206 vorstellte.[3]

Elbbrücke 1648 

Elbbrücke 1648

Kruzifix auf der Elbbrücke von 1670 bis zum Elbhochwasser 1845 

Kruzifix auf der Elbbrücke von 1670 bis zum Elbhochwasser 1845

Einzige Verbindung um 1750 zwischen Dresden und ehemaligen Altendresden 

Einzige Verbindung um 1750 zwischen Dresden und ehemaligen Altendresden

Blockhäuser auf der Elbbrücke 

Blockhäuser auf der Elbbrücke

Ehemaliger Eingang in die Altstadt Dresden von der Elbbrücke aus 

Ehemaliger Eingang in die Altstadt Dresden von der Elbbrücke aus

800 Jahre alter Brückenbogen der ersten Steinbrücke – freigelegt an der Neustädter Seite vom Landesamt für Archäologie während der Restaurierung 

800 Jahre alter Brückenbogen der ersten Steinbrücke – freigelegt an der Neustädter Seite vom Landesamt für Archäologie während der Restaurierung

Unter Kurfürst Moritz wurden bei Umbauten der Befestigungsanlagen 1534 und 1547 fünf Pfeiler und vier Bögen auf einer Gesamtlänge von etwa 150 Metern zugeschüttet, die heute noch unterhalb des Georgentores und des Schlossplatzes erhalten, aber nur teilweise archäologisch erschlossen sind; außerdem wurde über dem ersten Pfeiler am Altstädter Ufer ein neues Brückentor (das Schöne Tor) errichtet. Im Jahre 1670 wurde auf dem dritten Brückenpfeiler ein 4,5 Meter hohes Kruzifix aufgestellt, welches 3 Zentner wog.[1]

Augustusbrücke 1727–1907

Unter August dem Starken gestaltete der berühmte Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann gemeinsam mit dem Ratsbaumeister Johann Gottfried Fehre die Brücke 1727–1731 aufwendig um. Sie war danach 402 Meter lang und hatte noch 17 Bögen. Bei einer Breite von 11,04 Meter zwischen den Brüstungen betrug die Fahrbahnbreite 6,8 Meter. Sie war für damalige Verhältnisse wegen ihrer Größe, insbesondere ihrer Fahrbahnbreite, eindrucksvoll und wurde nach ihrem Bauherrn Augustusbrücke genannt. Sie zählte zu den historischen Monumenten des barocken Dresden.

Caspar David Friedrich: Augustusbrücke in Dresden (Gemälde, 1931 verbrannt) 

Caspar David Friedrich: Augustusbrücke in Dresden (Gemälde, 1931 verbrannt)

Ruine nach der Sprengung am 19. März 1813 

Ruine nach der Sprengung am 19. März 1813

Medaille 1813 von C. R. Krüger: Sprengung der Augustusbrücke in Dresden am 19. März, geprägt in der Münzstätte Dresden. 

Medaille 1813 von C. R. Krüger: Sprengung der Augustusbrücke in Dresden am 19. März, geprägt in der Münzstätte Dresden.

um 1865 

um 1865

um 1900 

um 1900

um 1900 

um 1900

Die nahezu ausgetrocknete Elbe 1904 unterhalb der Brücke 

Die nahezu ausgetrocknete Elbe 1904 unterhalb der Brücke

Zur selben Zeit wurden sowohl Dresden als auch die Neue Königliche Stadt zur Stadtfestung ausgebaut. Die heutige Altstadt erhielt dabei einen umlaufenden Wassergraben, die Neustadt eine massive Stadtmauer. Die Augustusbrücke verband die beiden Festungen. Etwa zur selben Zeit baute Sachsen das System der Postwege aus. Die Augustusbrücke war dabei über die Grenzen von Dresden hinaus eine wichtige Querungsstelle der Elbe.

 
Eingestürzter Brückenpfeiler 1845

Auf ihrem Rückzug sprengten Truppen Napoleon Bonapartes am 19. März 1813 den vierten Pfeiler der Brücke nach dem Altstadtufer, was die benachbarten Bögen IV und V zum Einsturz brachte.[4] Durch ein Elbhochwasser stürzte am 31. März 1845 der fünfte Pfeiler ein, auf dem ein großes, 1670 von Andreas Herold gegossenes Kruzifix angebracht war. An einem Pfeiler der Dresdner Elbbrücke befand sich vor der teilweisen Zerstörung derselben durch den französischen Marschall Davoust das Wappen der Burggrafen von Dohna (gekreuzte Hirschstangen), die an den Zolleinnahmen der Brücke beteiligt waren. Das war ein wichtiger Hinweis für die Zuordnung der doninschen Brakteaten.[5]

Am 26. März 1906 kam es auf dem Elbkahn Alwine Auguste (Schiffseigner Emil Krause, Pretzsch) zu einer Havarie. Der mit rund 300.000 Ziegeln (18.500 Ctr.) beladene Kahn prallte daraufhin an die Pfeiler der Augustusbrücke und zerbrach.[6][7]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genügte die Fahrbahnbreite (zusammen mit den Fußwegen elf Meter) dem Straßenverkehr nicht mehr. Auch die Weite der 16 Bögen und die Höhe der 17 Pfeiler entsprachen nicht mehr den Anforderungen des Schiffsverkehrs, weshalb sie 1907 trotz ihres Charakters als Baudenkmal abgebrochen wurde.[8]

Noch erhalten sind die die Brücke zu beiden Elbseiten flankierenden Gebäude Altstädter Wache (Schinkelwache) und Neustädter Wache (Blockhaus).

Auf der Ostseite des nördlichen (neustädtischen) Brückenkopfs stand das Wohnhaus von Joseph Fröhlich, dem Hofnarren Augusts des Starken. Es wurde 1755 errichtet und im Volksmund „Narrenhäusel“ genannt. – Bei einem der Luftangriffe auf Dresden brannte es 1945 aus.

↑ a b Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen stadtlex. Abgesehen von der 853 m langen Pont Saint-Esprit über die Rhône bei dem gleichnamigen Ort, 36 Kilometer nördlich von Avignon, und der ehemals rund 900 m langen Pont d’Avignon. Die planmäßige Anlage der Kaufmannssiedlung ab 1175 mit ihren rechtwinklig angelegten Straßen wird allerdings völlig ignoriert. Siehe dazu das Gemälde von Kilian Ponheimer dem Jüngeren. Karl Friedrich Wilhelm Erbstein: Numismatische Bruchstücke in Bezug auf sächsische Geschichte, 10. Bruchstück (1828), S. 24–42 Lars Kühl: Pleiten, Pech und Pannen auf der Elbe. In: Sächsische Zeitung. 22. März 2016 (Online (Memento vom 22. März 2016 im Webarchiv archive.today)). Ansichtskarte der Havarie von 1906. Abgerufen am 22. März 2016. Peter Hilbert: Dresdens Graues Wunder. In: Sächsische Zeitung. 27. September 2014 (saechsische.de [abgerufen am 7. Oktober 2014]).
Fotografien von:
Andreas Tack (Tackbert) - CC BY-SA 3.0
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