Nouadhibou (arabisch نواذيبو, DMG Nawāḏībū), ehemals Port-Étienne, ist die zweitgrößte Stadt, der größte Hafen und das wirtschaftliche Zentrum Mauretaniens sowie die Hauptstadt der Verwaltungsregion Dakhlet Nouadhibou. Die Lage auf einer Halbinsel an der westafrikanischen Atlantikküste war ideal für den Bau eines Industriehafens Anfang der 1960er Jahre, über den seither das per Eisenbahn aus dem Abbaugebiet um Zouérate hertransportierte Eisenerz verschifft wird. Ein weiterer Wirtschaftszweig ist die Fischerei. Der Schiffsfriedhof von Nouadhibou ist das Symptom einer fehlgeleiteten staatlichen Wirtschaftspolitik.

Nouadhibou (arabisch نواذيبو, DMG Nawāḏībū), ehemals Port-Étienne, ist die zweitgrößte Stadt, der größte Hafen und das wirtschaftliche Zentrum Mauretaniens sowie die Hauptstadt der Verwaltungsregion Dakhlet Nouadhibou. Die Lage auf einer Halbinsel an der westafrikanischen Atlantikküste war ideal für den Bau eines Industriehafens Anfang der 1960er Jahre, über den seither das per Eisenbahn aus dem Abbaugebiet um Zouérate hertransportierte Eisenerz verschifft wird. Ein weiterer Wirtschaftszweig ist die Fischerei. Der Schiffsfriedhof von Nouadhibou ist das Symptom einer fehlgeleiteten staatlichen Wirtschaftspolitik.

Ende des 19. Jahrhunderts begannen spanische, französische und britische Handelsgesellschaften Siedlungen an unbesiedelten westsaharanischen Küstenabschnitten anzulegen, um mit den nomadisch lebenden Sahrauis und Bidhan ins Geschäft zu kommen. Nach den Verträgen, die eine spanische Delegation mit dem Emir von Adrar abschloss, konnte der spanische Botschafter 1884 das Gebiet zwischen La Gouira und Kap Bojador im Norden zum Protektorat erklären. Zu dieser Zeit hatten Spanier die drei Siedlungen La Gouira, Villa Cisneros (das heutige Ad-Dakhla) und Villa Bens (das heutige Tarfaya an der marokkanischen Südgrenze) gegründet. Erst nach 1900 begannen Franzosen, die bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Gebiet des Senegal unter ihre Kontrolle gebracht hatten, nach Mauretanien vorzudringen. Dies geschah zunächst friedlich, ab 1905 verstärkt militärisch. Port-Étienne wurde in wirtschaftlicher Konkurrenz zu La Gouira 1906 als Fischereihafen gegründet und von Ernest Roume, 1902–1907 Generalgouverneur von Französisch-Westafrika, zu Ehren des Kolonialministers Eugène Étienne (1844–1921) benannt. Neben Port-Étienne waren Fort Gouraud (heute F’dérik) und Fort Trinquet (heute Bir Moghrein) weitere französische Ortsgründungen direkt an der Grenze zum spanischen Nachbarterritorium.

1908 eroberte die französische Armee die Stadt Atar im Kampf gegen Verbündete von Scheich Mā al-ʿAinin, dem wichtigsten Anführer des antikolonialen Befreiungskampfes. Die Hauptstadt des verehrten Mannes war Smara im Norden der spanischen Westsahara. Als 1913 ein französischer Trupp die von ihren Einwohnern kurz zuvor verlassene Stadt einnahm und die dortige Moschee und Bibliothek zerbombte, wurde das von den Sahrauis als Akt des Vandalismus aufgefasst. Der Widerstand einzelner Stämme, organisiert von Nachkommen Mā al-ʿAinins, hatte in den folgenden Jahren die Form von Raubüberfällen (ghazzis) und konzentrierte sich auf den Nordosten Mauretaniens. Am 26. März 1924 galt einer der Überfälle Port Étienne.[1]

 Fischereihafen Port Artisanal

Sahrauis betrieben bis zum 19. Jahrhundert nur bescheidenen eigenen Fischfang ohne Boote im Flachwasser, sie standen aber seit langem in Kontakt mit Fischern von den Kanarischen Inseln, von denen sie Fische eintauschten und ihnen dafür erlaubten, an Land ihre Boote zu warten und die Netze zu flicken. Deshalb ließen sich Sahrauis bereitwillig an den spanischen Niederlassungen und nach der Gründung von Port Étienne auch dort als Fischer und in der Fischverarbeitung anstellen. Industrialisiert wurden der Fischfang in Port Étienne 1921 durch die Gründung der Soc. Industrielle de la Grande Pêche.[2]

Kamen in Villa Cisneros weniger Karawanen mit Handelswaren als erwartet an, so ging deren Zahl durch den neuen französischen Handelsposten weiter zurück. Um 1920 waren die drei spanischen Küstensiedlungen noch immer recht klein, beispielsweise zählte ein Arzt 1926 in Villa Cisneros 20 Häuser und 28 Zelte, auch ins Landesinnere waren die Spanier bis dahin nicht vorgedrungen. Dagegen hatten die Franzosen etliche Militär- und Verwaltungsstationen innerhalb Mauretaniens gegründet, und Port Étienne überragte La Gouira an Größe und Wirtschaftsleistung bereits deutlich.[3] 1925 richtete die französische Co. Générale Aéropostale in Kap Juby (an der Südgrenze Marokkos), Villa Cisneros und Port-Étienne Flugplätze ein als Stützpunkte auf der Postflugstrecke Toulouse – Dakar (literarisch verarbeitet durch Antoine de Saint-Exupéry in Wind, Sand und Sterne).

Vor allem aus Mangel an geeignetem Bauholz besaßen die einheimischen Fischer (Imraguen) nie hochseetüchtige Schiffe. Um ihnen zu ermöglichen, eigene Fischerboote zu erwerben, gründeten die Franzosen 1951 die Soc. Indigène de Prévoyance de la Baie du Lévrier, die Geld verlieh, das innerhalb von zwei Jahren in Form des gefangenen Ertrags zurückerstattet werden konnte. Kanarische Fischer übernahmen die Ausbildung. 1970 scharten sich um die Fischfabrik von La Gouira wenige Dutzend Häuser, in denen 500 bis 750 Einwohner lebten, während die Bevölkerungszahl von Nouadhibou mit 11.000 angegeben wurde.[4]

1960 wurde Mauretanien unabhängig, Westsahara blieb weiterhin spanisch. Eine Vereinbarung vom Februar 1964 erlaubte spanischen Fischkuttern den Fischfang in mauretanischen Gewässern, im Gegenzug investierten die Spanier in ein gemeinschaftliches Fischverarbeitungsunternehmen, Société des Industries Mauritaniennes de Pêche (IMAPEC) in Nouadhibou, das 1972 fertiggestellt war. Der Betrieb war ausgelegt, um 9000 Tonnen Fisch jährlich als Konserven, Trockenfisch, Salzfisch oder tiefgefroren zu verarbeiten, einschließlich 2000 Tonnen, die von kanarischen Fischern gefangen wurden.[5]

 Flüssiggasanlage: Hier werden die Gasflaschen der gesamten Stadt gefüllt, die in den Haushalten zum Kochen gebraucht werden.

Südlich des kleinen Fischereihafens aus der französischen Kolonialzeit wurde Anfang der 1970er Jahre mit internationalen Hilfsgeldern eine neue Hafenanlage gebaut, die 1983 mit einem Kredit der Weltbank von 8 Millionen US-Dollar weiter ausgebaut wurde. Ein anderes Hilfsprogramm ermöglichte 1987 eine Hafenerweiterung für die Güterverladung mit einem Warenumschlag von 500.000 Tonnen pro Jahr. Weitere technische Verbesserungen wurden nur unzureichend umgesetzt, so zum Beispiel der Bau einer Ölpipeline zur einzigen Erdölraffinerie Mauretaniens nördlich angrenzend an den Port Minéralier, die Société Mauritanienne d'Industrie de Raffinage, im Besitz und betrieben von der algerischen Nafta. Die Verarbeitungskapazität betrug 20.000 Barrel importiertes Rohöl pro Tag[6] und sollte die mauretanische Fischereiflotte mit Treibstoff versorgen. Seit 2000 ist die Produktion jedoch eingestellt. Im Juni 2002 begann der Bau eines neuen Kais für den Fischereihafen mit projektierten Kosten von 1,4 Millionen US-Dollar. Eine neue Kühlhalle und eine Lagerhalle sollen den Hafen auf den technischen Standard der Kanarischen Inseln anheben.[7]

Während des Westsaharakonflikts ab 1976 war die Situation in der Stadt angespannt, da man mit einem Überfall der Frente Polisario rechnete. Zum Schutz der Stadt erlaubte der damalige Präsident Moktar Ould Daddah die Stationierung marokkanischer Truppen in der Nähe. Bis sich Mauretanien 1979 aus der Westsahara und damit aus dem Konflikt zurückzog, war die Stadt nicht angegriffen worden. Nach der Friedensvereinbarung zwischen Mauretanien und der Polisario im Juni 1979 in Algier fürchtete der neue Militärmachthaber Mohamed Khouna Ould Haidalla einen marokkanischen Angriff. Daher wurden die marokkanischen Truppen um Nouadibhou durch französische Fallschirmjäger ersetzt.[8]

Die Vorgeschichte des Eisenerzverladehafens geht auf die Gründung des multinationalen Konsortiums Mines de Fer de Mauritanie (MINERFA) im Jahr 1952 zurück, das den Abbau der Eisenerzvorkommen bei Fort Gouraud (F’dérik) in die Wege leiten sollte. Um 1960 wurde in Nouadhibou der Verladehafen Port Minéralier angelegt. 1963 begannen der Abbau und der Abtransport per Bahn aus der Region F’dérik/Zouérate. Der Erzabbau sorgte in den 1960er Jahren für 85 Prozent der gesamten Exporteinnahmen des Landes.[9] Die Güterzüge verkehren mit bis zu 220 Waggons mit jeweils 84 Tonnen Eisenerz, das im Hafen auf Schiffe mit einer Tragfähigkeit von maximal 150.000 dwt umgeladen wird. 1974 wurde das Konsortium unter dem Namen Société Nationale Industrielle et Minière (SNIM) nationalisiert. In den 1990er Jahren ließ SNIM die Verarbeitungsanlagen am Hafen erweitern; 2005 begann der Bau eines zweiten Kais für Schiffe bis 180.000 dwt. Die Verarbeitungskapazität beträgt 12 Millionen Tonnen pro Jahr.[10]

Am 4. Dezember 2019 kam es in der Nähe der Stadt zu einem Schiffsunglück mit mindestens 62 Toten.

Hodges, S. 62 Mercer, S. 175 Pazzanita, S. 52 Mercer, S. 208 Virginia McLean Thompson: The Western Saharans: The Background to Conflict. Barnes & Noble, 1980, S. 85 Bernadette Michalski: The Mineral Industry of Mauritania. (PDF; 17 kB) Pazzanita, S. 367 Pazzanita, S. 368 Hodges, S. 101 SNIM Open Pit Iron Ore Mining, Mauritania. mining-technology.com
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