فاس

( Fès )

Fès, auch Fes oder Fez (arabisch فاس, DMG Fās, Zentralatlas-Tamazight ⴼⴰⵙ Fas), ist mit rund einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Marokkos. Sie ist die älteste der vier Königsstädte des Landes (außerdem Marrakesch, Meknès und Rabat) und galt nach der Gründung der Qarawiyin-Universität als geistiges Zentrum des Landes. Fès ist der Sitz der Präfektur Fès-Meknès, eine der 12 Präfekturen Marokkos.

Fès, auch Fes oder Fez (arabisch فاس, DMG Fās, Zentralatlas-Tamazight ⴼⴰⵙ Fas), ist mit rund einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Marokkos. Sie ist die älteste der vier Königsstädte des Landes (außerdem Marrakesch, Meknès und Rabat) und galt nach der Gründung der Qarawiyin-Universität als geistiges Zentrum des Landes. Fès ist der Sitz der Präfektur Fès-Meknès, eine der 12 Präfekturen Marokkos.

Der Name soll auf Fas (Fès), „Hacke“ auf Arabisch, den Fund oder die Benutzung dieses Gerätes bei der Stadtgründung hindeuten.

Die Stadt „Medinat Fas“ wurde von Idris I. im Jahr 789 an der Stelle des heutigen Viertels der Andalusier gegründet. 809 gründete Idris II. „al-Aliya“ am anderen (linken) Ufer des Wadi Fès. Al-Aliya entwickelte sich rasch zu einer richtigen Stadt mit Moschee, Palast und Kisariya (Markthalle). Die lebenswichtigen Wasserquellen um Fès, die schon früh berühmt und besungen wurden, waren gewiss ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Standorts für die zukünftige Metropole.

Die weitere Entwicklung der Stadt ist zwei Einwanderungswellen zu verdanken. Ab 817–818 lassen sich 8.000 andalusische, von den Umayyaden von Córdoba aus Spanien vertriebene Familien in der Stadt nieder. Kurz danach kommen 2.000 verbannte Familien aus Kairouan (Tunesien) hinzu, die sich im gegenüberliegenden Stadtteil ansiedeln.

Die Neuankömmlinge bringen sowohl großes technisches und handwerkliches Können als auch Erfahrung im Städtewesen und einem auf die Stadt ausgerichteten Leben mit und tragen wesentlich dazu bei, dass sich Fès zum kulturellen Zentrum und religiösen Herzen Marokkos entwickelt.

Die 859 von der reichen Kaufmannstochter Fatima el-Fihrya gegründete Universitätsmoschee „al-Qarawiyin“ wird zu einem der bedeutendsten Zentren der Geistlichkeit und Kultur im Islam. Ihre Ausstrahlung hat über die Schulen des islamischen Spanien Auswirkungen bis nach Europa. Auch der arabische Geschichtsschreiber Ibn Chaldūn lehrte hier.

Die günstige Lage von Fès an der Kreuzung wichtiger Handelswege inmitten einer großzügigen natürlichen Region mit grundlegenden Rohstoffen für das Handwerk (Stein, Holz, Ton) spielte wohl eine entscheidende Rolle für den raschen Aufschwung der neuen Stadt. Von besonderer Bedeutung waren die Karawanenstraßen zwischen dem Atlantik und dem zentralen und östlichen Maghreb sowie dem Mittelmeer und Schwarzafrika über die große Handelsstadt Sidschilmasa (seit dem 17. Jahrhundert verschwunden) im Tafilalt (heute Region von Rissani/Erfoud).

1033 kam es zu einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung der Stadt mit 6000 Toten.[1]

Die zwei Stadtteile wurden schon im Mittelalter vereinigt, wobei die trennende Mauer durchbrochen wurde. Den Status der Hauptstadt verlor Fès nach der almoravidischen Gründung von Marrakesch im 11. Jahrhundert und gewann diesen wieder nach ihrer Einnahme durch die Meriniden im Jahr 1250.

1276 wurde unter der Herrschaft der Meriniden die neue Stadt El Medinet El-Beida („die weiße Stadt“) gegründet und gleich mit Umfassungsmauer, Palästen und Gärten ausgestattet. Sie wurde bald unter der Bezeichnung Fès el Jedid („das neue Fès“) bekannt, im Gegensatz zu Fès el Bali, der alten Stadt. Die jüdische Bevölkerung von Fès el Bali wurde um 1325 zwangsweise in die Nähe der neuen Palastanlage umgesiedelt. Die Mellah (einem Ghetto vergleichbar, in dem die Juden unter dem Schutz des Sultans leben, siehe auch Dhimma) entstand an der Stelle eines früheren Garnisonsviertels für syrische Bogenschützen.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts (Höhepunkt der hispano-maurischen Kunst) erlebte die Stadt ihren großen Aufschwung. Die Universität von Fès (Qairawin) war in dieser Zeit weltberühmt. Über eine Karawanenpiste mit dem Hafen von Badis am Rifgebirge verbunden, stand Fès ununterbrochen mit dem islamischen Spanien und mit Europa in Kontakt. 1471 fiel die Stadt in die Hände der Dynastie der Wattasiden.

Nach einer 1522 durch ein Erdbeben verursachten Teilzerstörung der Stadt wurden viele Bauwerke restauriert oder durch neue ersetzt.

 
Königspalast „Dar El Makhzen“

Die Saadier, ein arabischer Stammesverband, der sich in Südmarokko im Draa-Tal niedergelassen hatte und von da aus im 16. Jahrhundert das Land eroberte, nahmen 1554 die Stadt ein, machten aber Marrakesch zu ihrer Hauptstadt. Fès wurde von zwei in europäischer Manier errichteten Festungen ('Borj-Nord' und 'Borj-Sud') überwacht. 1626 verloren die Saadier die Stadt an die Dila-Bruderschaft.

Am Anfang der Alawiden-Dynastie (Ende des 17. Jahrhunderts) richtete Mulai Ismail seine neue Hauptstadt in Meknès ein. Er siedelte in Fès einen Teil der Sippe der Udaia an, die ihm bei seinem Machtkampf geholfen hatte. Nach seinem Tod (1727) revoltierten die Udaia, sie wurden aber erst 1833 durch Abd er Rahman aus der Stadt vertrieben. Mulai Abdallah, der Nachfolger von Mulai Ismail, machte Fès zu seiner Residenz und ließ Moscheen, Madrasas, Brücken und Straßen erneuern oder neu bauen; die Straßen von Fès el Jedid wurden gepflastert.

Zwischen 1500 und 1800 wurde Marokko mindestens zehn[2] Mal von der Pest heimgesucht. Ein anonymer Chronist berichtete über die in Fès wütende Epidemie von 1661–1662: „Jene unter den Reichen und Mächtigen, die da starben – und es waren viele –, verhungerten wie die armen Leute.“[2] Die Bevölkerungszahl stagnierte.[2] Die letzte große Pestwelle im Maghreb folgte 1818–1820.[2]

Im 19. Jahrhundert wurden die beiden alten Stadtteile durch Neubauten wie den Palast Boujeloud verbunden. Bis zum Beginn des Protektorats im Jahr 1912 blieb Fès die Hauptstadt Marokkos, dann wurde Rabat von einem französischen General zum Verwaltungssitz von Französisch-Marokko bestimmt. Trotzdem residierte der König weiterhin in Fès und er hält sich bis heute häufig im dortigen Palast auf. Auch nachdem Rabat zur offiziellen marokkanischen Hauptstadt erklärt worden ist, bleibt Fès eine wichtige königliche Residenz und ein Zentrum der Kultur, des Handwerkes und des Handels.

Israr Hasan: Believers and Brothers. A History of Uneasy Relationship. Bloomington 2009, ISBN 978-1-4389-4445-6, S. 99. ↑ a b c d John Iliffe: Popoli dell’Africa – Storia di un continente. 5. Auflage. Nr. 140. Bruno Mondadori Editore, Milano 2007, ISBN 978-88-6159-409-8, S. 220 (dort zitiert nach Bernard Rosenberger, H. Triki: Famines et épidémies au Maroc aux XVIe et XVIIe siècles. In: Hespéris Tamuda, Band CI, 1974, Nummer 15.).
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