Nuremberg Castle
Die Nürnberger Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Nürnberg. Sie ist eine Doppelburg und besteht aus der Kaiserburg und der Burggrafenburg.
Früheste bauliche Spuren stammen aus der Zeit um 1000. Nach den schweren Beschädigungen durch die Luftangriffe auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg wurde die Burganlage in historischen Formen wiederaufgebaut. Sie zählt in ihrem historischen Charakter als Wehrbau und Kaiserresidenz, Reichsburg und hohenzollernscher Burggrafensitz zu den geschichtlich und baukünstlerisch bedeutendsten Wehranlagen Europas. Sie ist eines der bedeutendsten Kunst- und Baudenkmäler der Stadt und gehört zur Historischen Meile Nürnberg.
Die Nürnberger Burg ist das Wahrzeichen der Stadt Nürnberg. Sie ist eine Doppelburg und besteht aus der Kaiserburg und der Burggrafenburg.
Früheste bauliche Spuren stammen aus der Zeit um 1000. Nach den schweren Beschädigungen durch die Luftangriffe auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg wurde die Burganlage in historischen Formen wiederaufgebaut. Sie zählt in ihrem historischen Charakter als Wehrbau und Kaiserresidenz, Reichsburg und hohenzollernscher Burggrafensitz zu den geschichtlich und baukünstlerisch bedeutendsten Wehranlagen Europas. Sie ist eines der bedeutendsten Kunst- und Baudenkmäler der Stadt und gehört zur Historischen Meile Nürnberg.
Die in archäologischen Untersuchungen entdeckten Reste früher Bauten wurden vor 1000 datiert – für diese Zeit finden sich jedoch keine schriftlichen Belege. Auch in der so genannten Sigena-Urkunde Kaiser Heinrichs III. aus dem Jahr 1050 wird nuorenberc lediglich als Ort der Ausstellung angegeben, ohne zu erwähnen, ob damit die Burg bezeichnet wurde.[1] Nachdem König Konrad II. auf seinen Reisen von Regensburg nach Bamberg aber 1025 und 1030 noch in Megelendorf an der Pegnitzfurt, dem heutigen Mögeldorf, „beurkundete“,[2] lässt sich annehmen, dass die Sigena-Urkunde in der Nürnberger Burg ausgestellt wurde. Die Burg taucht erst 1105 in den Quellen auf. Zwischen dieser Zeit und 1571 hielten sich alle Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reichs zeitweilig dort auf.
Anfang unter den SaliernDie salische Königsburg war ein Ausgangspunkt der Ostfeldzüge Heinrichs III., der Böhmen, Polen und Ungarn lehenspflichtig gemacht hatte. 1105 eroberte der salische König Heinrich V. die Burg nach zweimonatiger Belagerung im Krieg gegen seinen Vater, Kaiser Heinrich IV. 1127 belagerte König Lothar von Supplinburg die Burg, die von den staufischen Brüdern Konrad und Friedrich verteidigt wurde, zehn Wochen lang ohne Erfolg. 1130 gelang ihm im zweiten Anlauf die Eroberung und er übergab die Burg Heinrich dem Stolzen, bis sie 1138 an die Staufer fiel.[3]
Aufstieg unter den StaufernUnter den Staufern wuchs die Bedeutung der Kaiserburg, sie wurde aufwändig umgebaut und sicherte gemeinsam mit den Burgen Altenburg bei Bamberg, Burg Eger und der Wartburg die Ostgrenze des Reiches. 1140 begann König Konrad III. mit dem Bau einer zweiten Burg, der Kaiserburg, die als Königspfalz dienen sollte.[4] Er verlieh die neu errichtete Burggrafschaft Nürnberg mit Gericht und Verwaltung an die Edelfreien von Raabs (aus Niederösterreich). 1190/91 erbte sie Friedrich von Zollern. Im Zuge der reichsstädtischen Eigenständigkeit, die Nürnberg im 13. Jahrhundert erlangte, wurde die Kaiserburg der Obhut der Stadt übergeben. Kaiser Friedrich I. Barbarossa weilte 12-mal auf der Burg, Heinrich (VII.), der 1225 auf der Burg geheiratet hat, 21-mal und Friedrich II. 16-mal. Der Untergang der Staufer (ab 1254) hinterließ im nachfolgenden Interregnum ein Machtvakuum.
Machtkampf zwischen Stadt und HohenzollernSowohl das Bürgertum der Stadt als auch die Burggrafen gewannen an Macht; ihre Rivalität wuchs seit dem 14. Jahrhundert. Grundlage für die Entwicklung städtischer Gerichtsstrukturen in Nürnberg war die um 1190 erfolgte grundsätzliche Trennung der Administration der Siedlung Nürnberg vom Burggrafenamt; über die Stadt amtierte seither ein königlicher Schultheiß.[5] Ihr Amt als Burggrafen von Nürnberg wurde jedoch nach 1200 bis zum Interregnum auf rein militärische Belange beschränkt, die Verwaltung des Reichsguts und des vor dem Egidienkloster tagenden königlichen Landgerichts oblag einem selbständigen Amtsträger (Butigler), dessen Amt die Burggrafen bis 1282 an sich ziehen konnten. Die Verwaltung der Stadt und das städtische Gericht leitete ein seit 1173/74 belegter Reichsschultheiß.[6] Nachdem bereits um 1276 eine erste ratsähnliche Versammlung die Geschicke der Stadt mit zu bestimmen suchte, wurden 1287 die Privilegien der Stadtgemeinde bestätigt. Dem Burggrafen waren bereits 1273 seine Rechte verbrieft worden. 1302 begann der Rat damit, ein eigenes Statutenbuch zu führen.[5]
1315 erhielt die Stadt das Appellations- und das Evokationsprivileg, 1355 wurde das Handwerkerrecht gezielt zusammengestellt. In mehreren Schritten gelang es der Stadt bis 1427, die Besetzung des Schultheißenamtes, formal Inhaber der Hochgerichtsbarkeit über die Stadt, in ihre Hände zu bekommen. Damit vereinigte sie alle wesentlichen Gerichtsrechte auf sich.[5]
Die Burggrafen erwarben große Gebiete in Franken und gerieten auch deshalb in Gegensatz zur Stadt. Den Nürnbergern war das Gebaren der Burggrafen ein Dorn im Auge[7] und die Stadt wollte in Übereinstimmung mit den Reichsinteressen die Burggrafen von der Kaiserburg fernhalten. Hierzu bediente sie sich baulicher Mittel: Sie versperrte 1367 kurzerhand den Hohenzollern mit einer Mauer den ungehinderten Zugang der Burggrafenburg zur Stadt[7][8] und ermöglichte mit dem Bau des Vestnertors einen direkten Zugang der Kaiserburg nach Norden. Der Zugang zur Burggrafenburg war zeitweilig nur über einen hölzernen Steg und der Rundbogenpforte rechts von der zur Burghut ausgebauten Walburgiskapelle möglich,[9] wie die Abbildung aus dem historischen Hallerbuch zeigt[10] und in der Sage Der Burggraf wird eingemauert erinnert wird. 1377 begann die Reichsstadt direkt neben der Burggrafenburg mit dem Bau eines hohen Turms, dem Luginsland, von dem aus das Burginnere überwacht werden konnte, wie die Rekonstruktion des Zustands um 1400 zeigt.[11][12] Die Beschwerden der Hohenzollern beim Kaiser blieben erfolglos. Es kam zu offenen Kämpfen und 1388/89 während des Städtekriegs besetzte die Stadt die Burggrafenburg, musste sie aber nach einem Vergleich im Landfrieden von Eger wieder räumen.[3] Die Macht der Hohenzollern auf der Burg war auf einem Tiefpunkt, als 1420 bayerische Truppen im Bayerischen Krieg die Burggrafenburg zerstörten. Danach verkaufte der letzte Burggraf Friedrich VI., der als Kurfürst Friedrich I. viel Geld für den Spagat zwischen den fränkischen und den brandenburgischen Fürstentümern benötigte, die zerstörte Burg 1427 für rund 120.000 Gulden[12] an den Rat der Stadt Nürnberg und zog sich auf die Burg in Cadolzburg zurück.
Nach der Belehnung mit Brandenburg im Jahr 1415 verschoben sich die Interessen der Hohenzollern nach Norden. Obwohl die fränkischen Hohenzollern auch danach noch den Namenszusatz Burggraf zu Nürnberg in ihrem Titel führten, bedeutete dieser Verkauf das Ende der Existenz der Burggrafschaft Nürnberg. Aus ihrem Territorium gingen in der Folgezeit die beiden hohenzollernschen Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach hervor.
Eine Anekdote ist der sagenhafte Sprung des Rosses von Raubritter Eppelein von Gailingen (* um 1320, † 1381) in den Burggraben, mit dem er seiner Hinrichtung am Galgen entkommen sein soll.[13]
Repräsentation und BedeutungsverlustDie Nürnberger Burg war nun vollständig in der Obhut der Stadt. Während der Hussitenkriege wurden die West- und die Nordseite verstärkt und die Burg in die Stadtbefestigung einbezogen. 1538 bis 1545 wurden West- und Nordseite endgültig durch die Burgbasteien gesichert. 1440–42 wurde der romanische Palas durch einen spätgotischen Neubau ersetzt und 1487 durch einen Anbau verlängert. 1494/95 erbaute die Stadt das „Kornhaus auf den Vesten“, später Kaiserstallung genannt. 1524 übernahm die Stadt die Reformation, dies führte zu einer Entfremdung zwischen Kaiser und Stadt.[14] Für Kaiser Karl V. wurden die Wohnräume der Burg neu gestaltet, 1559/60 ließ Ferdinand I. den Palas nochmals erweitern, doch hatte die Burg ihre Bedeutung verloren.[3]
Im Dreißigjährigen Krieg war die Gegend um Nürnberg Schauplatz eines mehrere Jahre dauernden Stellungskriegs der Kriegsparteien, der 1632 zur Schlacht an der Alten Veste führte. Die Stadt und die Burg wurden aber nicht erobert. Nach dem Krieg verlor die Burg ihre militärische Bedeutung und die Reichstage fanden nicht mehr in Nürnberg, sondern ab 1663 im Immerwährenden Reichstag endgültig in Regensburg statt.[14] Parallel dazu sank die Bedeutung des Königs und Kaisers[15]
1806 kamen Burg und Stadt zum Königreich Bayern. Im Jahr 1828 war Kaspar Hauser einige Wochen in der Burg im Gefängnis untergebracht.
Mit der Romantik entstand ein historisches Interesse an der Burg. Baukonservierende und umgestaltende Maßnahmen begannen ab dem Jahr 1834 unter Ludwig I.; zu nennen sind insbesondere die Arbeiten von Carl Alexander Heideloff, August von Voit und August Essenwein. So wurde z. B. an der Westseite ein hoher Söller angefügt, zur Innenausstattung fertigten örtliche Schreiner historisierende Möbel, es wurden aber auch Originalstücke aus anderen Burgen (z. B. der Willibaldsburg aus Eichstätt) verwendet.
Nach der bayerischen Niederlage im Deutschen Krieg 1866 musste Ludwig II. dem preußischen König Wilhelm I. die Mitbenutzung der „Burg seiner Väter“ einräumen.[14]
Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 begann man mit einem Umbau der Kaiserburg. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Reichsparteitage sollte die Kaiserburg als symbolträchtige Kulisse für das NS-Regime und als Unterkunft für hohe Staatsgäste dienen. Die sogenannte Restaurierung im Sinne einer „schöpferischen Denkmalpflege“, bei der man die als „schwächliches Stilkostüm“ empfundene historistische Ausstattung der Burg aus dem 19. Jahrhundert zerstörte, wurde unter der Leitung von Rudolf Esterer ab 1934 durchgeführt. Die Fachzeitschrift Der Baumeister bewertete damals die NS-Umgestaltungsmaßnahme nach ihrem Abschluss euphorisch: „Wenn wir heute die Nürnberger Burg besuchen, empfängt uns nicht mehr ein falscher Theaterzauber, der uns innerlich nichts zu sagen hat, sondern wir erleben wieder auf Schritt und Tritt die alte hehre Kaiserburg, die uns mit einer auf ihrer schlichten Formgebung beruhenden krafvollen Größe und herben Schönheit als ein Werk wiedergefundener alter, gediegener deutscher Handwerkskunst bezwingend in ihren Bann schlägt. Diese ursprüngliche Größe zu neuem Leben erweckt zu haben, ist das unbestreitbare Verdienst der Männer, die hier am Werk gewesen sind.“[16]
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Burg 1944/45 schwere Schäden; fast unversehrt blieben nur die Doppelkapelle und der Sinwellturm. In der Nachkriegszeit wurden alle Baugruppen in den historischen Formen wiederhergestellt, so beispielsweise auch der im Krieg völlig zerstörte Luginsland; jedoch verzichtete man darauf, die Raumgestaltungen des 19. Jahrhunderts, die 1934/35 nahezu umfassend beseitigt worden waren, zu rekonstruieren. Somit befinden sich die Innenräume der Burg heute weitgehend in der Form, die ihnen die Maßnahmen Rudolf Esterers gaben.
Seit 2013 erfährt die lange Zeit vernachlässigte touristische Nutzung der Burg wieder mehr Aufmerksamkeit. Die Dauerausstellung wurde neu konzipiert – neben der Burg wird auch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und die Rolle Nürnbergs im Spätmittelalter dargestellt.[14]
↑ Urkunde 253 in Harry Bresslau und Paul Kehr (Hrsg.): Diplomata 16: Die Urkunden Heinrichs III. (Heinrici III. Diplomata). Berlin 1931, S. 336–337 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat) ↑ Urkunde 30 in Harry Bresslau unter Mitwirkung von H. Wibel und A. Hessel (Hrsg.): Diplomata 15: Die Urkunden Konrads II. (Conradi II. Diplomata) Mit Nachträgen zu den Urkunden Heinrichs II.. Hannover 1909, S. 33–34 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat) ↑ a b c Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen kaiserburg. ↑ Wolfram Ziegler: König Konrad III. (1138-1152): Hof, Urkunden und Politik Böhlau Verlag Wien, 2008r ↑ a b c Peter Kreutz: Städtische Gerichtsbarkeit. In: Historisches Lexikon Bayern. ↑ Nürnberg, Reichsstadt: Politische und soziale Entwicklung. In: Historisches Lexikon Bayern. ↑ a b Annamaria Böckel, Markus Jäkel: Unsere Burg – Das Wahrzeichen von A bis Z. ↑ Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Teilband 2: Residenzen. Herausgegeben von Werner Paravicini, bearbeitet von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer Reinhard Seyboth : Abschnitt NÜRNBERG (BURGGRAFENBURG), S. 426–428. ↑ Katharina Heinemann: Ausblick in die Vergangenheit: Ein neu erworbenes Gemälde erzählt Geschichte in der Kaiserburg Nürnberg. Veröffentlicht am 4. September 2017 in Schlösserblog. ↑ Abbildung der Nürnberger Burg und der noch unerzerstörten Burggrafenburg aus dem Haller-Buch. In: Chronik aus Kaiser Sigmunds Zeit. Nürnberg Staatsarchiv (Rep 52a, Rst. Nürnberg 211). ↑ Robert Frank: Die Nürnberger Burg, Rekonstruktion des Bauzustandes um 1400: Der Bereich der Burggrafenburg ist gelb markiert. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege/ Bayerische Schlösserverwaltung, 2016. ↑ a b Katharina Heinemann: 600 Jahre Zerstörung der Nürnberger Burggrafenburg im Jahr 1420. Veröffentlicht am 27. Oktober 2020 in: "Schlösserblog". ↑ Foto des Burggrabens am Vestnertor, in den der Raubritter Eppelein von Gailingen auf seinem Ross sprang. ↑ a b c d Seite der Bayerischen Schloßverwaltung zur Burg ↑ Werner Schultheiß: III. Die Reichsstadt (1254/72 bis 1806) 5. Reformen im 15. Jahrhundert ↑ Die Wiederherstellung der Kaiserburg in Nürnberg. In: Der Baumeister. 33. Jahrgang, Heft 6, Juni 1935, S. 185–195 und Tafel 67, hier S. 190.
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