Der Kilimandscharo (auch Kilimandscharo-Massiv, von 1902 bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe, englisch Kilimanjaro oder Mount Kilimanjaro; Chagga: kilima ndjaro, „Berg des Wassers“) ist ein Bergmassiv im Nordosten Tansanias. Der höchste Berg des Massivs ist mit 5895 m Höhe der Kibo. Der Kibo ist der höchste Berg Afrikas und gehört damit zu den Seven Summits, den jeweils höchsten Bergen der sieben Kontinente.

Im Jahr 1987 wurde die Landschaft von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Bereits seit 1973 gibt es den Kilimandscharo-Nationalpark. Die Eiskappe des Kilimandscharo ist stark und in zunehmendem Maße von der globalen Erwärmung betroffen: So hat sich zwischen 1912 und 2020 die Eisschicht bereits um 85 Prozent verringert und wird bis 2030 voraussichtlich vollends verschwunden sein.

Vorkoloniale Zeit  Johannes Rebmann

Das am Fuß des Berges lebende Volk der Chagga verehrte den Berg vor seiner Bekehrung zum Christentum jahrhundertelang. Nach der Missionierung wurden Altäre noch auf den Berg ausgerichtet. Einer lokalen Legende nach stellen Kibo und Mawensi versteinerte Ehefrauen des Gottes Ruwa dar. Die Geschichte erzählt, wie Mawensi wiederholt die Gastfreundschaft von Kibo missbraucht hatte, welche sie daraufhin verprügelte. Dies erkläre den gezackten Rand von Mawensis Gipfel(krater) und der häufig am Mawensigipfel stehende Nebel sei ein Versuch diese Schmach zu verdecken.[1]

Um 100 n. Chr. berichtete der griechische Astronom und Geograph Ptolemäus von einem hohen, mit Schnee bedeckten Berg mitten in Afrika. Etwa 1000 Jahre später folgte weitere Kunde von einem solchen Berg, diesmal durch chinesische Handelsreisende.

Ein ausführlicher spanischer Bericht von 1519 wurde in Europa nicht ernst genommen und geriet wieder in Vergessenheit.

Erst als am 11. Mai 1848 ein Europäer, der aus Gerlingen stammende deutsche Missionar, Geograph und Sprachforscher Johannes Rebmann, vor dem Kilimandscharo stand und von dem überwältigenden Anblick des Schneeberges nach Europa berichtete, trat der Berg in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Rebmann bezeichnete sich jedoch nicht als seinen Entdecker, da er schon vorher mehrfach sichere Kunde von dem Berg aus Erzählungen von Afrikanern hatte. Rebmann, der von 1846 bis 1875 ohne Unterbrechung in Ostafrika wirkte, weilte 1848/1849 dreimal am Fuß des Kilimandscharo. Während die englischen Geographen seinem Bericht von dem Schneeberg aufgrund der Nähe zum Äquator jahrzehntelang keinen Glauben schenkten, erhielt er von der Geographischen Gesellschaft in Paris eine Ehrenmedaille. Bei der Höhe, die er, ohne sie vermessen zu haben, mit etwa 3800 m angab, verschätzte Rebmann sich jedoch stark. Von ihm stammen die Bezeichnung des Gebirges und die Namen der meisten Gipfel, die ihm sein afrikanischer Begleiter benannte.

Kolonialzeit  Ansicht des Kilimandscharos zur Deutschen Kolonialzeit von Rudolf Hellgrewe

Während der kolonialen Besetzung durch das Deutsche Reich in der Zeit von 1885 bis 1918 bildete dieses Bergmassiv das höchste Gebirge des Reiches. Der Erstbesteiger Hans Meyer taufte den Kibo als höchsten deutschen Berg in Kaiser-Wilhelm-Spitze um.[2] Die seinerzeit errichteten Berghütten erhielten deutsche Namen wie Bismarck- oder Peters-Hütte. Die Sektion Hannover des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins plante Anfang des 20. Jahrhunderts den Bau einer Alpenvereinshütte zwischen dem Mawenzi und dem Kibo auf 4900 m Höhe. Das erforderliche Baumaterial war bereits zur Baustelle transportiert worden. Der Beginn des Ersten Weltkrieges verhinderte den Bau der am höchsten gelegenen Hütte des Alpenvereins.[3] Erst im Rahmen der Unabhängigkeit wurde die Regierung der Republik Tanganjika darauf aufmerksam, dass die Bergspitze des Kibo weiterhin Kaiser-Wilhelm-Spitze hieß. 1964 wurde diese in Uhuru umbenannt, was auf Suaheli Freiheit bedeutet.

Erstbesteigung  „Die Spitze des Kilimandscharo“ im Neuen Palais Potsdam mit einem Originalstein vom Kibogipfel (1890)

Schon 1861 und 1862 hatte sich der deutsche Entdecker Karl Klaus von der Decken an eine Besteigung des Berges gewagt und erreichte nur eine Höhe von 4280 m.[4] Die nächsten dokumentierten Besteigungsversuche wurden von dem Missionar Charles New am 14. und 26. August 1871 unternommen, der beim zweiten Anlauf am 28. August in Begleitung eines Dieners und eines Chagga-Führers die Schneegrenze erreichte, bevor er umkehren musste. 1872 wurde über die erfolglose Unternehmung in einer Publikation der Royal Geographical Society berichtet.[5]

Die Erstbesteiger waren der Leipziger Bergsteiger, Geograph und Forscher Hans Meyer und der österreichische Alpinist Ludwig Purtscheller, die den Gipfel nach zwei fehlgeschlagenen Erstbesteigungs-Versuchen von 1887 und 1888 am 6. Oktober 1889 erklommen (als einheimischer Bergführer diente Muini Amani).[6][7]

Meyer entnahm eine Gesteinsprobe aus schwarzem Lavafels von der Mittelspitze des Kibo und brachte sie per Schiff nach Deutschland, um sie Wilhelm II. als Symbol für die Inbesitznahme des Massivs durch Deutschland zu überreichen. Eine weitere behielt er im Privatbesitz. Der Kaiser ließ den Felsbrocken 1890 mit anderen Steinen zu einem Dekorationsstück verarbeiten, zuvor soll er ihn als einfachen Briefbeschwerer aufbewahrt haben.[8] Es finden sich Quellen, die besagen, dass dieses Kunstwerk noch im Muschelsaal des Neuen Palais in Potsdam besichtigt werden kann.[9] Allerdings scheint der Stein schon vor geraumer Zeit gestohlen und durch einen einfachen Lavabrocken ersetzt worden zu sein – ob das Original in der Zeit des Nationalsozialismus oder später in der DDR abhandenkam, ist unklar.[10][11] 1980 erfolgte eine Untersuchung, bei der der Lavastein aus Biotitschiefer enttarnt wurde. Dieser Schiefer kommt nirgends auf dem Kilimandscharo vor. An der Stelle klebt nun dafür ein Lavagestein von der ersten Expedition aus Meyers Sammlung.[12] Der zweite Stein befindet sich im Privatbesitz eines der Nachfahren Meyers.

Weitere Pioniertaten Erste Abfahrt per Ski: 1912 waren Walter Furtwängler und Siegfried König nach ihrer dritten Gipfelbesteigung die Ersten, die per Ski vom Kibo-Gipfel hinabfuhren. Bei der vierten Gipfelbesteigung am 13. Februar 1914 erreichte Clara von Ruckteschell-Truëb den Kraterrand am heutigen Gilman’s Point und war damit die erste Frau, die den Kilimandscharo erfolgreich bestiegen hat.[13] Erster Überflug: Am 8. Januar 1930 überflog Walter Mittelholzer als erster (motorisiert) den Kilimandscharo. Dabei machte er unter anderem aus 6200 m Höhe Luftaufnahmen vom Krater des Kibo, die in Illustrierten veröffentlicht wurden und großes Aufsehen erregten. Erste Live-Fernsehübertragung: Am 21. Juli 2008 machte sich ein Reporterteam der ARD zusammen mit deutschen Bergsteigern vom Marangu Gate auf den Weg. Vier Tage später erreichten sie den Gilman’s Point und den Uhuru Peak. Die weltweit erste Live-Übertragung vom Kilimandscharo gelang. Die Regie- und Sendeanlage war rund 2000 m tiefer an der Horombo-Hut stationiert. Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 94. zum Stellenwert des Berges im Deutschen Kaiserreich vgl. Iris Schröder: Der deutsche Berg in Afrika. Zur Geographie und Politik des Kilimandscharo im Deutschen Kaiserreich. In: Historische Anthropologie 13 (1/2005), S. 19–44. Alpenvereinsjahrbuch Berg’94. Band 118, Herausgegeben vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein und vom Alpenverein Südtirol, München/Innsbruck/Bozen 1994, S. 235. Carl Claus von der Decken, bearbeitet von Otto Kersten: Reisen in Ost-Afrika in den Jahren 1859 bis 1865. Erzählender Teil 1871, Band 2, S. 52. Charles New: Ascent of Mount Kilima Njaro. Proceedings of the Royal Geographical Society 16, Juli 1872, S. 167–171 (englisch) Erstbesteigung des Kilimandscharo: Als Deutschlands höchster Berg 6010 m maß. 2019, abgerufen am 7. Oktober 2019. Pointdexter, Joseph: Zwischen Himmel und Erde. Die 50 höchsten Gipfel. Könemann, Köln 1999, ISBN 3-8290-3561-6, S. 92. Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo – Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, S. 92. Alexander Honold: Kaiser-Wilhelm-Spitze. Weltmuseum der Berge, 2009, archiviert vom Original am 24. Juli 2010; abgerufen am 21. September 2010. Am Kilimandscharo: Wo geht's denn hier zum Gipfel? Seite 1. 2015, abgerufen am 10. März 2015. Barbara Schaefer: Am Kilimandscharo: Wo geht's denn hier zum Gipfel? Seite 3. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. März 2015, abgerufen am 10. März 2015. Christof Hamann, Alexander Honold: Kilimandscharo – Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, S. 92/93. Stichwort: Clary von Ruckteschell auf der Homepage: Mount-Kilimanjaro-Wiki Link. Abgerufen am 7. Mai 2021.
Fotografien von:
Sergey Pesterev - CC BY-SA 4.0
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