Ghadames (arabisch غدامس Ghadāmis, DMG Ġadāmis, Zentralatlas-Tamazight ⵖⴷⴰⵎⵙ Ɣdames oder ⵄⴷⵉⵎⵙ Ɛdimes) ist eine Oasenstadt im westlichen Libyen im Munizip Nalut. Die Stadt besteht aus zwei Teilen – einer historischen Altstadt und einer Neustadt.

Man nimmt an, dass die Oase seit etwa 3000 v. Chr. besiedelt und Jahrhunderte später zum Schutz vor Nomaden mit einer Mauer versehen wurde. Erste Berichte über Ghadames liegen jedoch erst aus römischer Zeit vor. Ein erster und gleichzeitig einer der wichtigsten Kämpfe um die Vorherrschaft in Tripolitanien fand höchstwahrscheinlich im Jahr 18 v. Chr. unter Lucius Cornelius Balbus Minor statt. Als Heerführer schlug dieser die Garamanten und Phazanii. Zu seinen Siegen zählte auch die Eroberung von Cidamus, die Hauptstadt der Phazanii.[1] Diese Kämpfe sowie Cidamus werden bereits von Plinius dem Älteren in seiner in den 70er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstandenen Naturalis historia erwähnt.[2] Im 2. Jahrhundert wird die Stadt als Τιδαμήνσιοι (Tidamensi) von dem Geographen Claudius Ptolemäus genannt.[3] Der spätantike Historiker Prokopios von Caesarea berichtete im 6. Jahrhundert n. Chr., dass die Bewohner der Stadt von alters her Verbündete Roms waren und ihre Verträge während der Regierungszeit des Kaisers Justinian I. (527–565) erneuerten.[4][5] Wohl während der Regierungszeit des Kaisers Septimius Severus (193–211) entstand in Cidamus ein höchstwahrscheinlich kleiner militärischer Außenposten,[6] der den Handel und die Warenflüsse bereits vor den Grenzen Roms überwachen sollte. Das Kastell Cidamus lässt sich jedoch nur inschriftlich erschließen.[7] Offensichtlich schon nach relativ kurzer Zeit wurde die Garnison wieder aufgelöst und die Phazanii kehrten in ihren alten hegemonialen Bündniszustand mit Rom zurück. Die jahrhundertelangen, engen und fruchtbaren wirtschaftlichen Beziehungen zu Rom lassen sich neben großen Mengen importierter römischer Feinkeramik auch an der über zwei Kilometer langen antiken Nekropole archäologisch belegen.[5]

Wie Prokop berichtet, wurden die Einwohner von Cidamus auf Veranlassung Kaiser Justinians I. zum christlichen Glauben bekehrt. Einer der tripolitanischen Bischofssitze entstand in der Oasenstadt. Damit verschwanden die alten religiösen Glaubensvorstellungen, zu denen die Asnam (Idole) gezählt hatten. Mit der Eroberung von Ghadames durch den Umayyaden ʿUqba ibn Nāfiʿ im 7. Jahrhundert fand die Antike ihr endgültiges Ende. Im Zuge der Islamischen Expansion und kulturellen Transformation durch die muslimischen Araber wurde der Islam zur alleinigen Religion.

Bis ins 20. Jahrhundert hatte Ghadames als Handelszentrum für den Transsaharahandel erhebliche Bedeutung. Insbesondere die Kamelkarawanen mit dem Steinsalz aus den Lagerstätten in der Sahara haben diese Tradition noch lange aufrechterhalten.

Bei einem nur zehnminütigen Luftangriff von fünf amerikanischen B-17-Bombern und zehn Jagdflugzeugen der Freien Französischen Streitkräfte auf italienische Truppen am 11. Januar 1943 wurden Teile der Stadt – darunter auch die beiden mittelalterlichen Moscheen – zerstört. 44 Menschen fanden den Tod; die feindlichen Soldaten und ihr Kriegsgerät wurden jedoch nicht getroffen.

Zwischen 1943 und 1955 stand Ghadames unter der Verwaltung Frankreichs,[8] das als Besatzungsmacht für den Fessan zuständig war.

1973 erhielt die Stadt eine moderne Straßenverbindung in das nördlich gelegene Nalut.

David J. Mattingly: Tripolitania. Batsford, London 1995, ISBN 0-7134-5742-2, S. 114. Plinius: Naturalis historia, V 35–36 und XXXI, 22 Ptolemaeus: Geographia. IV, 3, 6 Prokop: De Aedificis, VI, 3. ↑ a b David J. Mattingly: Tripolitania. Batsford, London 1995, ISBN 0-7134-5742-2, S. 122. David J. Mattingly: Farmers and frontiers. Exploiting and defending the countryside of Roman Tripolitania. In: David J. Mattingly, John A. Lloyd (Hrsg.): Libyan Studies. Vol. 20 (1989). Annual Report of the Society for Libyan Studies, S. 139. CIL 08, 10990. Naji Abbas Ahmad: Die ländlichen Lebensformen und die Agrarentwicklung in Tripolitanien. (= Heidelberger geographische Arbeiten. Nr. 25). Geographisches Institut der Universität, Heidelberg 1969, S. 147.
Fotografien von:
Bob Scheele - CC BY-SA 4.0
David Stanley from Nanaimo, Canada - CC BY 2.0
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