Salvador

( Salvador (Bahia) )

Salvador, offiziell Município de Salvador, ist nach São Paulo und Rio de Janeiro die drittgrößte Stadt Brasiliens. Der historische Name der Küstenstadt lautet São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser an der Allerheiligenbucht). Der Name geht auf den Tag der Ankunft der ersten Seefahrer zurück, den 1. November 1501. Auch der Name Bahia war bis Mitte des 20. Jahrhunderts für die Stadt gebräuchlich.

Salvador hatte zum 1. Juli 2021 geschätzt rund 2,9 Millionen Einwohner, ist die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bahia und war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Salvador ist Erzbischofssitz des Erzbistums São Salvador da Bahia. Es ist ein international anerkanntes Handels- und Wirtschaftszentrum mit einer Erdöl- und Zuckerraffinerie sowie Baumwoll-, Tabak- und Kakaoverarbeitung.

Salvador, offiziell Município de Salvador, ist nach São Paulo und Rio de Janeiro die drittgrößte Stadt Brasiliens. Der historische Name der Küstenstadt lautet São Salvador da Bahia de Todos os Santos (Heiliger Erlöser an der Allerheiligenbucht). Der Name geht auf den Tag der Ankunft der ersten Seefahrer zurück, den 1. November 1501. Auch der Name Bahia war bis Mitte des 20. Jahrhunderts für die Stadt gebräuchlich.

Salvador hatte zum 1. Juli 2021 geschätzt rund 2,9 Millionen Einwohner, ist die Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bahia und war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens. Salvador ist Erzbischofssitz des Erzbistums São Salvador da Bahia. Es ist ein international anerkanntes Handels- und Wirtschaftszentrum mit einer Erdöl- und Zuckerraffinerie sowie Baumwoll-, Tabak- und Kakaoverarbeitung.

Der bis zur europäischen Okkupation bekannteste Indianerstamm dieser Küstenregion waren die Tupinambá und noch früher die Stämme der Tupi, Tupina und Tupinae, so wie die frühen Seefahrer Martim Afonso de Souza und Simão Alcazaba 1533 und 1535 berichteten. Am 1. November 1501 gab es bereits Handel zwischen den portugiesischen Seefahrern unter Leitung von Gonçalo Coelho und den Indianern vom Stamme Eurotupinambá an einem Ort der Küste, der als „Stelle des Patrons“ bezeichnet wurde, dem heutigen Leuchtturm Barra. Dem Einfluss der Jesuiten ist es geschuldet, dass die Einheimischen von der Sklaverei verschont blieben und stattdessen angolanische Afrikaner entführt und nach Brasilien verschleppt wurden. Bereits 1551 lebten in Bahia die ersten 50 afrikanischen Sklaven und legten damit den Grundstein für eine bis heute afrikanisch geprägte Stadt Salvador.[1]

Die Okkupation Brasiliens  Grabplatte von Catarina Paraguaçu, Graça

Schon lange, bevor Salvador die Stadtrechte erhielt, war die Region um 1510 durch die Überlebenden eines in Schiffbruch geratenen französischen Schiffes bevölkert worden. Zu dessen Besatzung zählte auch Diogo Álvares Correia,[2] der berühmte Caramuru (übersetzt: Neunauge) oder auch „Sohn des Donners“ – er verschaffte sich mit seinem Gewehr bei den Indianern entsprechenden Respekt, als er damit eine fliegende Möwe abschoss. Der Häuptling Morubixava Taparica gab ihm seine älteste Tochter, Paraguaçu,[3] zur Frau.[4] 1534 wurde die Kapelle Nossa Senhora das Graças (Unsere Liebe Frau zu den Gnaden) errichtet, denn dort lebten Diogo Álvares und seine Gattin, Catarina Paraguaçu.[5] In dieser Kirche,[6] im gleichnamigen Stadtteil Graça, wurde Catarina Paraguaçu in der Nähe des Altars stehend[7] beigesetzt. Diese Stelle ist mit einer Grabplatte deutlich sichtbar.[8] Über das Grab von Caramuru gibt es nur die Mutmaßung, dass es sich im „Mosteiro de Jesus“, dem ehemaligen Jesuitenkloster und der heutigen Kathedrale, befinden könnte.

 Historische Karte (um 1888)

1536 erreichte der Portugiese Francisco Pereira Coutinho[9] das Gebiet, welches ihm vom portugiesischen König Johann III. als Besitz zugesprochen wurde. Dieses Gebiet befindet sich in etwa im heutigen Stadtteil Barra. Die dort lebenden Eingeborenen revoltierten mehrfach gegen Francisco Pereira Coutinho, weil er sie grausam und ungerecht behandelte. Flucht und Rückkehr folgten, und am Ende wurde er 1547 von den Indianern getötet und während eines großen Festes verspeist.[10]

Ein nicht weniger dramatisches Ende[11] nahm der erste Bischof Brasiliens, Dom Pedro Fernandes Sardinha. Er wurde am 1552 zum Bischof von Salvador ernannt, starb aber schon 1556 einen grausamen Tod. Nach seiner Amtseinführung legte er sich schnell mit den Jesuiten an, u. a., weil er die Praxis missbilligte, indianische Musikinstrumente von christlich erzogenen Kindern benutzen zu lassen und native Melodien in christlichen Kulten einzusetzen. Aber gerade hier sahen die Jesuiten die Möglichkeit, Einheimische für den christlichen Glauben zu gewinnen.[12] Sein Streit mit den Jesuiten endete mit seinem Tod am 16. Juli 1556. Er erlitt vor der Küste Alagoas Schiffbruch und wurde von den „Indios Caetés“ aufgegessen.[13] Weiterhin bemängelte die katholische Amtskirche die immer mehr um sich greifende Polygamie:

„Die verheirateten Männer, die ohne ihre Familien nach Brasilien gekommen waren, gaben sich demselben unmoralischen Leben hin wie alle anderen: Über die ganze [brasilianische] Küste verteilt findet man Männer, die in Portugal verheiratet sind, und sie leben hier in großer Sünde mit großem Nachteil für ihre Frauen und Kinder …[14]“

Die Stadt wurde am 29. März 1549 durch Tomé de Sousa gegründet. Ausschlaggebend für die Stadtgründung an dieser Stelle waren die zahlreichen Süßwasserquellen, von denen auch heute noch viele funktionieren.[15] Caramuru war von der portugiesischen Krone beauftragt worden, Tomé de Sousa alle erdenkliche Unterstützung bei dieser Mission zu gewähren. Man errichtete auf Befehl des portugiesischen Königs eine Festung mit Namen São Salvador. Mit Tomé de Sousa erreichten Salvador mehr als tausend Portugiesen. Unter ihnen die ersten Jesuiten, Manuel de Nóbrega, João Aspilcueta Navarro, Leonardo Nunes und andere. Neben diversen Streitigkeiten zwischen Franzosen und Portugiesen wurde Salvador 1598, 1624 bis 1625 und 1638 von Holländern besetzt. Hauptexportmittel war im 17. Jahrhundert der Zucker. Die Sklaven mussten auf den Plantagen und Zuckerrohrfeldern des Umlandes, des sogenannten Recôncavo, arbeiten. Durch den Zuckerhandel war Salvador bis zum Jahre 1650 die größte Stadt auf der Südhalbkugel. Eine der größeren Revolten gegen die Unterdrücker erhob sich 1835 durch muslimische Sklaven. Salvadors erste Blüte endete, als die Stadt 1763 ihre Rolle als Hauptstadt Brasiliens an Rio de Janeiro verlor.

Salvador im 18. Jahrhundert Der Aufstand der Schneider (Revolta dos Alfaiates)  Opfer des Aufstandes der Schneider

Inspiriert von der Französischen Revolution von 1789, breitete sich in allen baianischen Gesellschaftsschichten der Gedanke an Unabhängigkeit von der portugiesischen Krone aus. Anders als die revolutionären Anfänge in Minas Gerais 1792, deren Anführer Tiradentes von den Vertretern der portugiesischen Krone ermordet wurde, ging die baianische Revolution im Jahr 1798 mit der Forderung nach dem Ende der Sklaverei deutlich weiter.[16] Aber auch dieser Aufstand, auch bekannt unter dem Namen „baianische Verschwörung“ (Conjuração Baiana), endete 1799 mit der Hinrichtung oder Deportation der Anführer. Alle zur Oberschicht zählenden Sympathisanten der Unabhängigkeitsidee, wie der Journalist und Arzt Cipriano Barata, der an vorderster Front die einfachen Menschen gegen die portugiesische Unterdrückung aufwiegelte, und der Priester Agostinho Gomes zogen rechtzeitig ihren Kopf aus der Schlinge.

Die Steuerabgaben an die portugiesische Krone waren zu hoch, und die einfache Bevölkerung forderte bessere Lebensbedingungen, denn seit der Regierungssitz des Landes 1763 von Salvador nach Rio de Janeiro verlegt worden war, führten sie ein Leben unter miserablen Bedingungen.[17] Bahia geriet in eine Wirtschaftskrise, und Kriminalität[18] und Plünderungen waren an der Tagesordnung.[19]

In ganz Salvador waren alsbald die Forderungen der Freiheitsdenker durch Aushänge zu lesen, die aus der Feder des Soldaten Luís Gonzaga das Virgens stammten:

Unabhängigkeit des Kapitanats Bahia Einführung einer Republik Unabhängigkeit für den Handel sowie die Öffnung aller Häfen einen Sold von 200 Réis pro Tag und das Ende der Sklaverei

Am 24. August 1798 wurde Gonzaga festgenommen. Ein Befreiungsversuch, angeführt durch den Soldaten Lucas Dantas de Amorim und die Schneider João de Deus do Nascimento und Manuel Faustino de Santos Lira, scheiterte.

Die Bewegung wurde durch die „Öffentlichkeitsarbeit“ der Freimaurerloge „Kavaliere des Lichts“ unterstützt. Als aber Namen ihrer Mitglieder in Anklageschriften auftauchten, kauften sich alle durch falsche Zeugen und Alibis frei.[20] Anders als die Freimaurer blieben die freien und versklavten Schwarzen der Bewegung treu; zu groß war ihre Hoffnung auf das Ende ihrer Unterdrückung.

Die portugiesische Königin Maria I. ließ nach der Verhaftung Gonzagas 59 Personen verhören, viele von ihnen wurden gefoltert. Aus dieser Gruppe wurde 34 der Prozess gemacht, 4 Schwarze wurden zum Tode verurteilt. Sie wurden am 8. November 1799 durch die Straßen Salvadors zu ihrem Richtplatz getrieben. 80 % der Schaulustigen waren Schwarze, die ihren Helden in aller Stille den gebührenden Respekt zollten. Die Delinquenten Manuel Faustino und Lucas Dantas verweigerten die Sterbesakramente. Ganz im Gegensatz zu ihren Anklägern und der portugiesischen Königin seien sie frei von Schuld.

 Praça da Piedade, früher Pranger und Hinrichtungsstätte Salvadors

Auf der Praça da Piedade, auf der man regelmäßig Sklaven und Kriminelle an den Pranger stellte bzw. henkte, wurden am 8. November 1799 Manuel Faustino, Lucas Dantas, João de Deus und Luís Gonzaga gehenkt und ihre Köpfe sowie die anderen Körperteile auf Spießen in der gesamten Stadt verteilt zur Schau gestellt. Alle nicht zum Tode Verurteilten wurden deportiert, nachdem sie am Pranger 500 Peitschenhiebe erhalten hatten. Es mag nur Zufall sein, aber der Kopf von Manuel Faustino, der auf die Sterbesakramente durch den franziskanischen Geistlichen verzichtet hatte, wurde am Cruzeiro de São Francisco direkt vor der Franziskanerkirche aufgespießt zur Schau gestellt. Fünf Tage später wurde es Angehörigen des Krankenhauses Santa Casa de Misericordia,[21] einer Einrichtung für Mittellose, die auch für deren Beerdigungen zuständig war, erlaubt, die Leichenteile an unbekannter Stelle zu beerdigen.[22]

An jeder Ecke des Platzes Piedade steht heute eine Bronzebüste im Gedenken an die vier Hingerichteten.[23]

Salvador im 19. Jahrhundert

Unterstadt noch ohne Aufschüttung und Mercado Modelo 

Am 29. Dezember 1812 fand vor der Küste von Salvador das Gefecht der Constitution gegen die Java statt.

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte sich von Grund auf das Stadtbild mit der Aufschüttung zwecks Hafenbaus. Selbst das Zollgebäude, das heute den Mercado Modelo beherbergt, war zum Teil noch vom Meer umgeben. Man beachte bei Besichtigung der Unterstadt, dass sich die alten Gebäude aus der Kolonialzeit am Fuße zur Oberstadt befinden. Richtung Meer befinden sich lediglich Gebäude aus der Zeit nach der Aufschüttung. Auf dem Panoramabild lässt sich dies gut erkennen. Außerdem sieht man die alte Kathedrale, die 1933 der Straßenbahn weichen musste. Schon bei der Aufnahme des Bildes im Jahr 1860 war sie stark verfallen und ohne Türme. Nach ihrem Abriss wurde die ehemalige Jesuitenkirche zur Kathedrale umfunktioniert. Rechts im Bild sieht man das Theater São João, das während der Bombardierung stark zerstört wurde und Jahre später nach einem Brand abgerissen wurde.

Erste Schiffsladung Eis erreicht Salvador

Im Jahre 1834 erreichte die erste Schiffsladung von Eisblöcken aus Boston den Hafen von Rio de Janeiro. Um die gleiche Zeit wurde Eis auch in der Unterstadt Salvadors verkauft, in der Nähe des ehemaligen Goldmarktes.[24] Mit einer Reklametafel[25] wurde auf seine wertvolle medizinische Wirkung hingewiesen:

„[…] Wir hoffen, dass sich das Publikum an den Verzehr dieses großartigen Stärkungsmittels gewöhnen wird, welches sich hervorragend eignet, um die große Zahl der hier vorkommenden Magenerkrankungen zu lindern. Zahlreiche andere Leiden können damit geheilt werden, so berichten die besten Universitätsgelehrten. Neben der medizinischen Wirkung ist es überaus erfrischend mit Getränken eingenommen, in einem so warmen Land wie dem unseren. […]“

Der Preis von Eis war aufgrund von Transport und komplizierter Lagerung exorbitant hoch. Anfänglich wurde es mit einem isolierenden Mantel aus Holzwolle in der Erde eingegraben und konnte so bis zu fünf Monate konserviert werden.[26]

Aufstand muslimischer Sklaven (Revolta dos Malês)  Aufstand der Muslime

Das Wort Malê stammt aus der Sprache der Yoruba und bedeutet Muslim. Diese Sklaven waren in Bahia auch unter dem Namen nagô bekannt. Das Wort nagô kommt aus einer Sprache, die in Benin gesprochen wird, dem Ursprungsland ihrer Verschleppung. Die Revolte wurde im Keller des Hauses Nr. 2 in der Ladeira da Praça[27] (Straße, die zwischen der Praça Municipal[28] und der Feuerwehr der Baixa dos Sapateiros[29] verläuft) vorbereitet, jedoch verraten. Es gab viele dieser Häuser, in denen sich Malês zu Mahlzeiten trafen und arabisch sprachen. Dieses Haus war als solcher Treffpunkt bekannt. Der Aufstand war für den 26. Januar 1835 geplant, begann aber zwangsläufig am Abend des 25. Januar 1835, als ein Richter, ein Polizist und zwei Soldaten der Anzeige nachgingen und das besagte Haus stürmten. Sie waren nicht wenig überrascht, von über 50 Malês überrannt zu werden, die hauptsächlich mit Säbeln bewaffnet waren. Viele Malês flüchteten durch den Garten und alarmierten ihre Gesinnungsgenossen.

Nun begann der Sturm des Rathauses,[30] in dessen Keller das Gefängnis untergebracht war, um den Landsmann Pacífico Licutan zu befreien. Dieser war dort eingesperrt, weil sein „Herr“ Schulden hatte und Pacífico als „Pfand“ zwecks Versteigerung aufbewahrt wurde. Der Sturm scheiterte; es gab Tote auf beiden Seiten, wobei die Malês mit ihren Säbeln eindeutig im Nachteil waren.[31] Die Malês zogen sich zurück und liefen schreiend bis Campo Grande,[32] um eine andere dort angesiedelte Gruppe zu mobilisieren. Man griff das Forte São Pedro[33] und verschiedene Polizeiposten an. Über den Pelourinho und die Unterstadt versuchten sie sich mit Sklaven aus den Zuckerrohrplantagen neu zu formieren, wurden aber in Água de Meninos[34] vom Militär gestoppt und massakriert; viele Flüchtende ertranken. Am Ende waren 70 Rebellen und 10 Soldaten getötet. Seinerzeit hatte Salvador 65.000 Einwohner, von denen 40 % Sklaven waren. So hielt sich lange Zeit die Angst einer neuen Revolte.[35]

Eduardo Baraúna Carigé und das Ende der Sklaverei in Bahia

Ab 1878 wurden in ganz Brasilien Stimmen gegen die Sklaverei lauter, die sich in Salvador 1883 mit der Gründung der baianischen Befreiungsgesellschaft (Sociedade Libertadora Baiana) zu konzentrieren begannen. Die medizinische Fakultät am Pelourinho spielte keine unbedeutende Rolle im Kampf gegen die Sklaverei. Aus allen Gesellschaftsschichten trafen sich nun ihre Gegner; der militanteste unter ihnen war der Arzt und Journalist Eduardo Baraúna Carigé (Iô Iô Carigé) (1851–1905). Wenn die Gesellschaft auch nur 30 Mitglieder zählte, so hatten sie doch enormen gesellschaftlichen Einfluss mit sinnvoll durchdachten Strategien gegen die sogenannte Herrenschicht.

Der Name Carigé taucht immer wieder in Zeitungsmeldungen und offiziellen Polizeidokumenten[36] auf. So am 10. April 1883, als er gemeinsam mit Gleichgesinnten den Transport des Sklaven Lino Caboto nach Rio de Janeiro zu verhindern wusste, da es gesetzlich verboten war, Sklaven von einer Provinz in die andere zu befördern. Aber in erster Linie verdankten Carigé hunderte Sklaven ihre Freiheit, weil er sie rechtlich beriet und ihnen wohlgesinnte Anwälte verschaffte. Hauptsächlich setzte man auf Formfehler wie das Fehlen der Elternangabe oder einer Registrierungsnummer. Außerdem wurde nach einem Gesetz von 1831 der Import von Sklaven nach Brasilien illegal.

Die sogenannten Herren der Sklaven kümmerten sich nicht um die Gerichtsverhandlungen, sondern reagierten erst auf die Publikationen der Urteile in der Gazeta da Bahia. Einsprüche vor der nächsthöheren Instanz blieben nicht immer ohne Erfolg. Aber selbst wenn die vor Gericht erstrittenen Aussichten auf Freiheit immer seltener wurden, fühlten sich immer mehr Sklaven motiviert, den juristischen Weg zugunsten eines besseren Schicksals einzuschlagen.

 Grabplatte in der Franziskanerkirche

Carigé legte sich oft polemisch mit den Herren an, beispielsweise mit der Familie von João de Teive e Argollo, dessen Grabplatte auf der rechten Seite des Altars der Franziskanerkirche zu finden ist. Neben Zuckerplantagen besaß diese Familie die Fazenda Água Cumprida, aus der später die Stadt Simões Filho hervorging. Sein Sohn, ebenfalls João de Teive e Argollo, wurde 1887 vom Sklaven Silvestre angezeigt, den Sklaven Damião mit einem Knüppel erschlagen zu haben. Carigé schaltete sich ein und forderte im Namen der Befreiungsgesellschaft polizeiliche Ermittlungen, die jedoch keine Beweise gegen Argollo hervorbrachten. Auch durch einen Staatsanwalt zusätzlich geforderte Ermittlungen brachten keine Beweise, dass der Sklave Damião wirklich erschlagen worden sei. Möglicherweise hatte der Sklave Silvestre den Tod des Damião (der wahrscheinlich durch eine chronische Krankheit gestorben war) als Vorwand genutzt, sich aus der Sklaverei zu befreien, eine zu der Zeit immer gängiger werdende Form der Auflehnung von Sklaven gegen ihre Herren.

Eduardo Baraúna Carigé wurde immer wieder mit dem Tode bedroht, und man warf ihm vor, sich am wenigen Geld der Sklaven bereichert zu haben. Tatsächlich aber starb er verarmt im Alter von 54 Jahren. In noch heute bekannten Volksliedern wird er als Held gegen die Sklaverei gefeiert.[37]

Salvador im 20. Jahrhundert und Moderne Bombardierung Salvadors  José Joaquim Seabra, 1915, drei Jahre nach der Bombardierung Salvadors

Im Jahre 1910 entbrannte ein Disput aufgrund der bevorstehenden Wahl zum Gouverneur von Bahia zwischen den zerstrittenen Oligarchen der Region. Diese politische Auseinandersetzung hatte zur Folge, dass der Gouverneur João Ferreira de Araújo Pinho 1911 vorzeitig aus dem Amt ausschied. Federführend an diesem eigentlich politischen Schachzug waren José Joaquim Seabra und Präsident Hermes da Fonseca, mit dessen Hilfe Seabra ins Amt gehoben werden sollte. Anders jedoch als geplant, wurde nicht Seabra, sondern sein Gegenspieler Aurélio Rodrigues Viana 13. Gouverneur von Bahia. Diese Amtsübernahme war umstritten, und so ließ Viana das Parlament von Bahia besetzen und dessen Sitz in seinen Geburtsort Jequié verlegen, um Sanktionen durch Präsident Fonseca zu entgehen.[38] Viana ließ zudem strategische Punkte der Stadt durch Polizei und Militär besetzen, weil der Bundesrichter Paulo Martins Fontes sämtliche Aktionen Vianas für nicht gesetzeskonform erklärte.

Der bewaffnete Konflikt war damit programmiert, und Richter Martins beauftragte bzw. intimierte Präsident Fonseca, in Bahia Recht und Ordnung wiederherzustellen.[39] Am 10. Januar 1912 forderte der zuständige General Sotero de Menezes[40] Viana letztmals auf, dem höchstrichterlichen Urteil zu folgen, aber um 13:00 Uhr übermittelte Viana als Antwort, dass er im Amt bleiben werde. Um 13:30 Uhr verkündete Menezes, dass die öffentliche Ordnung durch Waffengewalt wiederhergestellt werde. Um 13:40 Uhr fielen die ersten beiden Kanonenschüsse (zunächst noch Pulverschüsse) vom Forte São Marcelo.[41] Um 14 Uhr begann die vierstündige Bombardierung der Stadt. Die Zahl der Toten und Verletzten wurde nie ermittelt. Neben der Zerstörung öffentlicher Regierungsgebäude wie des Palácio Rio Branco[42] am Aufzug Lacerda und anderer historischer Bauten brannte die Bibliothek mit dem Stadtarchiv nieder. Originaldokumente über die Entstehung der Stadt gingen so für immer verloren. Einen Tag später, am 11. Januar 1912, gab Aurélio Rodrigues Viana dem Druck nach und trat zurück.

Die Bombardierung Salvadors als Sanktion provozierte in Brasilien einen Aufschrei der Empörung. Dadurch sah sich das oberste Gericht gezwungen, Viana durch einen Habeas Corpus als Gouverneur wieder einzusetzen. Dies hatte wiederum völlig unerwartet zur Folge, dass sich die Bürger Salvadors gegen die Obrigkeit auflehnten, die Polizei in der Baixa dos Sapateiros[43] attackierten und über Barroquinha[44] zum Platz Castro Alves[45] marschierten, um dessen erneute Absetzung zu erzwingen. Viana trat ein zweites Mal zurück und flüchtete in das Konsulat von Venezuela. Der Präsident des Landesgerichtes von Bahia, Bráulio Xavier,[46] übernahm bis zur Wahl des neuen Gouverneurs die Regierungsgeschäfte. Aus dieser Wahl ging José Joaquim Seabra als 15. Gouverneur Bahias hervor.

Pelourinho  Straßenküche auf dem Pelourinho

Eines der Touristenzentren ist der Pelourinho, zu Deutsch Pranger, im historischen Kern von Salvador. Einst Durchgangsstraße vom Jesuitenkloster zum Karmel (Convento do Carmo), wurde dort wie in vielen anderen Stadtteilen ein Pranger (Pelourinho) aufgestellt, an dem in erster Linie Sklaven ausgepeitscht und zur Schau gestellt wurden. Allerdings konnten auch andere Stadteinwohner, etwa wegen homosexueller Vergehen oder Diebstahls, für eine gewisse Zeit dort angebunden werden.[47] Am Pelourinho kann man die Kirche Igreja do Rosário dos Pretos (Kirche vom Rosenkranz der Schwarzen) besichtigen. Heute leben am und um den Platz viele Künstler wie Filmemacher, Musiker, Maler und Schriftsteller.

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